Hintere Jungfrauspitze (2395m) und Wolekleskarspitze (2522m) |

| Die Tour beginnt in Häselgehr, wo man entweder vor oder nach der Kirche bei der Lechbrücke von der Bundesstraße nach Norden abbiegend einen relativ großen beschilderten Parkplatz erreicht, der ein Stück hinter der Kirche liegt. Den Wegweisern ins Haglertal nach Nordwesten folgend, gelangt man über einen zwischenzeitlich sehr steilen Ziehweg zum Beginn des Steigs durch dieses ungewöhnlich seichte Tal, das im Süden von den steilen Nordhängen des Häselgehrbergs begrenzt wird. In ca. 1700m Höhe teilt sich der Weg: Geradeaus geht es weiter in Richtung Sattelkar und Luxnacher Sattel, nach rechts in Gliegerkar. Dies ermöglicht unter Einbeziehung des Enzensperger Wegs zwischen Gliegerkar und Luxnacher Sattel eine Rundtour, wobei man im Aufstieg zunächst dem Weg ins Gliegerkar folgt, in dem der Anstieg zur Hinteren Jungfrauspitze beginnt. Der markierte Steig führt bis dicht an die Hänge unter dem Griesschartl im Südostgrat der Bretterspitze heran, direkt unter dem Beginn der zahlreichen Kehren im Geröll, über die man den Enzensperger Weg kurz vor dem Griesschartl erreichen könnte, wendet man sich an einer Verzweigung schließlich nach links und trifft so mehr in der Karmitte auf den Höhenweg. |
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| Die drei Jungfrauspitzen über dem untersten Gliegerkar (Zum Vergrößern auf die Originalgröße von 1024x768 auf das Bild klicken - es wird ein neues Fenster geöffnet) | ||
| Ab dem Erreichen der unteren Karschwelle sind die drei Jungfrauspitzen und auch das Gipfelkreuz auf dem hinteren Gipfel bereits sichtbar. Der Anstieg zur Hinteren Jungfrauspitze verläuft über ihren nördlichen Grat, wobei es zunächst gilt, aus dem Kar zur Einschartung zwischen ihr und dem benachbarten Gratkopf aufzusteigen. Es gibt dorthin einen markierten Weg, der noch im flachen Karboden vom Enzensperger Weg abzweigt. Der Beginn ist durch einen Hinweis noch gut zu finden, anschließend war zumindest bei meiner Begehung der Steig im Karboden aber sehr undeutlich und die Markierung stark verblaßt und kaum noch zu erkennen. Da der prinzipielle Anstiegsverlauf aber offensichtlich ist, entstehen dadurch keine Probleme. |
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| Hintere Jungfrauspitze mit der Einsattelung zwischen ihr und dem benachbarten Gratkopf (rechts im Bild) über dem Gliegerkar Weiteres Foto: Fortsetzung des Gratverlaufs nach rechts bis zur Wolekleskarspitze | ||
| Der Weg holt zunächst weit nach Norden aus, um die unterhalb der Scharte befindliche Schrofenzone zu umgehen, und zieht dann dicht unter der Felswand der nördlich benachbarten Graterhebung schräg ansteigend zur Einsattelung hinauf. In diesem zweiten Teil ist der Weg dann wesentlich deutlicher, erfordert aber an einigen steilen Hangstellen bereits etwas Trittsicherheit. |
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| Nordgrat der hinteren Jungfrauspitze mit dem Anstieg zum Gratansatz von rechts her | ||
| Die ziemlich breite, teilweise grasige Einsattelung wird zunächst nicht betreten, sondern man wendet sich sofort ihrem linken, felsigen Teil zu, wo nach einem scharfen Einschnitt der Gipfelgrat der Hinteren Jungfrauspitze ansetzt. Dieser Einschnitt wird von einem schon von weitem sichtbaren Drahtseil überspannt. Das Seil beginnt bereits einige Meter zuvor unterhalb des kleinen Felskopfs im linken Teil der Einsattelung, der von einer Plattenlage gebildet wird. Durch diesen plattigen, trittarmen Fels muß man nun zunächst zu dem scharfen Grateinschnitt queren. Diese erste Passage bis zum Ende des fast senkrechten Aufschwungs direkt über der Scharte ist bereits die schwerste des Gipfelanstiegs. Trotz des Seils liegt die technische Schwierigkeit noch bei II, ohne diese Hilfe wäre der Aufstieg deutlich schwieriger. Hinzu kommt die starke Ausgesetztheit des Grats; insbesondere auf der rechten Seite fällt er an vielen Stellen zunächst sogar leicht überhängend ab. Dennoch würde ich wegen des Drahtseils die bergsteigerische Gesamtanforderung als geringer als bei den meisten anderen Gipfelanstiegen im zweiten Schwierigkeitsgrad einschätzen. |
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| Querung zur vom Drahtseil überspannten Einschartung unter dem ersten Grataufschwung | ||
| Nach der Querung zur Einkerbung unter dem Gipfelgrat betritt man die tiefste Gratstelle am besten nicht, sondern versucht bereits in einer Höhe von mindestens einem halben Meter über ihr die Einschartung zu überqueren, so daß man sich einen Teil des sehr steilen ersten Grataufschwungs spart. Auch das Seil führt in einer relativ großen Höhe über den Einschnitt hinweg. Es stehen hier zwar nicht viele, aber doch ausreichende Tritte und Griffe neben dem Drahtseil zur Verfügung. |
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| Blick vom felsigen Kopf am Ende der breiten Einsattelung auf den ausgesetzten, scharfen Einschnitt und den folgenden Grataufschwung | ||
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| Oberhalb des ersten Grataufschwungs: Rückblick auf die Querung zur Einschartung | ||
| Nach der ersten Gratstufe folgt wenig später noch einmal ein steiler Aufschwung im zweiten Schwierigkeitsgrad. Gerade an diesen fast senkrechten Stellen ist es sehr hilfreich, daß das Seil in kurzen Abständen Ausbuchtungen als gute Griffmöglichkeiten enthält. Anschließend verflacht der felsige Grat bald, bleibt aber bis kurz vor dem nahen Gipfel stellenweise sehr schmal und exponiert. Hier noch drei weitere Fotos vom Anstieg oberhalb des ersten Aufschwungs: Weitere steile Felsstufe / ausgesetzte flache Passage / Passage im Mittelteil des Grats (Abstiegsrichtung). |
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| Auf der Hinteren Jungfrauspitze | ||
| Die Hintere Jungfrauspitze wird nicht sehr häufig bestiegen; für einen Gipfel, der durch einen gesicherten Steig zugänglich gemacht ist, sogar ausgesprochen selten. Noch seltener wird der Übergang zu den beiden anderen Gipfeln unternommen, obwohl mir der Grat zum mittleren Gipfel keinesfalls schwerer zu sein schien als der gerade gemachte Anstieg. Wegen des unsicheren Wetters habe ich trotzdem darauf verzichtet, um auf jeden Fall noch die Wolekleskarspitze besteigen zu können. Der Übergang vom mittleren zum vorderen Gipfel sieht dagegen zumindest aus den beiden darunterliegenden Karen deutlich anspruchsvoller aus. |
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| Blick von der Hinteren Jungfrauspitze auf den Gratverlauf in Richtung Wolekleskarspitze Weitere Bilder von den benachbarten Gipfeln: Bretterspitze / Gliegerkarspitze / Sattelkarspitze | ||
| Über den kurzen Klettersteig geht es nun wieder zurück zur Einschartung unter dem Nordgrat. Das Drahtseil war zumindest bei meiner Besteigung in sehr gutem Zustand; insgesamt sind es nur zwei Seilstücke, so daß es lediglich eine Zwischenverankerung gibt. Ein Abstieg aus der Scharte ins Wolekleskar ist leider nicht möglich, daher muß man für die Besteigung der Wolekleskarspitze über ihren Normalanstieg nun ins Gliegerkar zurückkehren und auf dem Enzensperger Weg um den letzten Gratausläufer der Jungfrauspitzen herum ins Wolekleskar gehen. Die Wolekleskarspitze ist eigentlich die unauffälligste Erhebung über diesem Kar, viel mehr fallen die stark gegliederte Ostflanke der Sattelkarspitze sowie die beiden das Kar begrenzenden Seitegrate dieser beiden Gipfel ins Auge. Zum Gipfel der Wolekleskarspitze zieht aus dem Kar ein schrofendurchsetzter, teils auch begrünter Geröllhang empor, der nur kurz unter dem Gipfel durch eine auffallend dunkle Felsstufe unterbrochen ist. Aus dem Kar sieht der Hang darunter im übrigen etwas unangenehmer aus als er tatsächlich ist. |
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| Wolekleskarspitze über dem Wolekleskar (Foto beim Abstieg entstanden) | ||
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| Weiteres Bild vom Gipfelbereich | ||
| Nach dem Verlassen des Höhenwegs am Karbeginn oder auch mit etwas mehr Höhenverlust erst später in der Karmitte, wo man im Fall von Schneeresten schneller als über das Geröll und Blockwerk am Rand vorankommt, steigt man durch das gesamte Kar bis etwas links der Gipfelfallinie auf zur linken unteren Ecke der Schrofenzone unter dem Gipfel, die deutlich weiter ins Kar herabreicht als die benachbarten Felswände (Foto: Aufstieg im Geröll unterhalb der Schrofenzone). Von hier aus führt der günstigste Aufstieg schräg nach rechts aufwärts zum Südostgrat unterhalb der Felsstufe im Gipfelbereich. Im einzelnen sind dabei verschiedenste Varianten möglich, bei entsprechender Routenwahl kann man größtenteils über Gras und Geröll aufsteigen und die Schrofen weitgehend vermeiden (Foto: Rückblick während des Aufstiegs). Lediglich bei Nebel könnte es vielleicht Probleme geben, beim Abstieg sofort den richtigen Weg ins Kar zu finden. Unter dem Grat trifft man schließlich auf einen bequemen Geröllhang, über den man den Südostrücken schon dicht unterhalb der dunklen Felsstufe erreicht. Nach kurzem Aufstieg am Rücken hält man sich am Felsansatz links und erkennt links oberhalb bald einen markanten Einschnitt in der schwarzen Felswand. Es handelt sich dabei um eine kurze geröllgefüllte Rinne, die besonders in ihrem noch nicht einsehbaren Mittelteil spaltartig verengt ist und eine senkrechte Stufe aufweist. Der untere Ansatz des Gerölleinschnitts zwischen den schwarzen Felsen befindet sich über einem schrofigen Bereich, den es nun von rechts unten nach links oben zu überwinden gilt (s. Foto unten). Dies ist neben der Stufe in der Rinne der einzige technisch schwierigere Teil des Aufstiegs (I). Prinzipiell ist dabei ein beliebiger Anstieg möglich, da direkt oberhalb des unteren Beginns der dunklen Felsen ein bequemes plattiges Band verläuft (auf dem Foto unten im rechten oberen Bildbereich unter dem gelblichen Felsbereich zu erahnen), ist es aber wohl am besten, bereits möglichst weit rechts über etwas unangenehme, teils geröllbedeckte Schrofen zu ihm aufzusteigen. |
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| Blick über die Schrofenzone zum Einschnitt in der schwarzen Felsstufe | ||
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| Querung auf dem plattigen Band zur geröllgefüllten Rinne Weiteres Foto: Rückblick vom Beginn des Bands auf den bisherigen Aufstieg | ||
| Das nur wenig geneigte Band führt dann direkt zum spaltartigen Einschnitt, in dem nach wenigen Metern die schwierige Stufe (II) erreicht ist. An diesem Aufschwung bildet der Einschnitt einen kurzen Kamin, wobei der Kamingrund durch einen eingeklemmten kleinen Felsblock nach oben abgeschlossen ist und dadurch leicht überhängt. Man muß sich daher Griffe und Tritte an den ebenfalls senkrechten Seitenwänden suchen, was etwas Kraftaufwand erfordert, aufgrund der geringen Höhe der Stufe (knapp drei Meter) aber dennoch gut machbar ist. Im Zweifel sollte man den Anstieg nicht zu dicht am Kamingrund beginnen. |
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| Der kurze Kamin durch die Steilstufe | ||
| Oberhalb der Stufe setzt sich die spaltartige Rinne noch kurz fort, bis sie die Höhe des oberen Endes des dunklen Felsriegels erreicht hat. Anschließend ist es auf der Gipfelabdachung über Geröll und einzelne Schrofen nicht mehr weit bis zum höchsten Punkt der Wolekleskarspitze. Der Blick auf die höheren benachbarten Gipfel der Hornbachkette ist von hier ungewöhnlich eindrucksvoll. Insbesondere die Gliegerkarspitze zeigt von dieser Seite betrachtet einen sehr steilen Aufbau, aber auch in westlicher Richtung lohnt der Blick auf die hohen Felswände von Sattelkar- und Noppenspitze den Aufstieg. Neben den Fotos unten noch zwei weitere am Gipfel aufgenommene Bilder: Blick auf das Wolekleskar und den Südostrücken / Hintere Jungfrauspitze hinter der benachbarten Erhebung im Südostgrat der Wolekleskarspitze |
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| Noppenspitze, Kreuzkarspitze und die weiteren Gipfel im Westen der Hornbachkette über dem Vorgipfel im Südwestgrat der Wolekleskarspitze | ||
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| Blick zur benachbarten Gliegerkarspitze Weiteres Foto: Hochvogel über der Schießmauer | ||
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| Urbeleskarspitze über dem Westgrat der Bretterspitze Weiteres Foto: Nahansicht der beiden Gipfel | ||
| Leider verdeckt der nur wenig niedrigere Vorgipfel der Wolekleskarspitze einen Teil der Umrahmung des Bretterkars. Es wäre daher bestimmt lohnend, wenn auch sicher nicht ganz einfach, auch ihn noch zu besuchen. Einen alternativen Aufstieg zur Wolekleskarspitze nicht durch den kurzen Kamin, sondern durch eine Querung unter dem Felsriegel nach Westen und anschließendem Aufstieg im Bereich des obersten Südwestgrats würde ich im übrigen eher nicht in Betracht ziehen. Ganz ohne Kletterei kommt man auch so nicht auf den Gipfel und außerdem würde diese Route zwangsläufig durch steiles, schrofendurchsetztes Geröll führen und daher mehr Bergerfahrung und Trittsicherheit verlangen als der Kaminanstieg. Beim Abstieg bereitet das Wiederfinden des Kamins aufgrund des schon oberhalb beginnenden Spalts keine Probleme. Auch der Kamin selbst ist nun leichter als in Aufstiegsrichtung, da man mit dem Rücken zum Berg absteigend gute ebene Abstützmöglichkeiten an den Seitenwänden findet. |
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| Blick von oberhalb der Felsstufe auf den Einschnitt mit dem Kamin in Bildmitte | ||
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| Rückweg auf dem schwarzen Plattenband | ||
| Der weitere Abstieg ins Kar vollzieht sich ebenfalls genau auf der Anstiegsroute. Für den Rückweg nach Häselgehr bietet es sich an, diesmal den im Bereich des Luxnacher Sattels beginnenden Weg durch das gesamte Haglertal zu benutzen, so daß sich im oberen Teil eine kleine Rundtour ergibt. Dazu kehrt man durch das Wolekleskar zum Enzensperger Weg zurück - bei Schneeresten am günstigsten im Grund des Kars, was wegen der sehr geringen Einsenkung des Karbodens kaum mit Höhenverlust verbunden ist - und folgt diesem bis zur Abzweigung des nach Häselgehr zurück führenden Haglertal-Wegs kurz vor dem Luxnacher Sattel. Falls noch genügend Zeit ist, wären dabei natürlich noch verschiedene Erweiterungen der Tour denkbar. Eine Möglichkeit ist, wie ich noch einen kurzen Abstecher in den Boden des Sattelkars zu machen, das vom Enzensperger Weg nur berührt wird. Der eigentliche Karboden wird sicher nur sehr selten betreten, da keiner der Normalanstiege auf die beiden Gipfel über dem Sattelkar hier beginnt. Sowohl der Blick auf die Noppenspitze als auch der auf die Sattelkarspitze lohnen es aber, noch ein Stück im Kar aufzusteigen. |
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| Am Enzensperger Weg - Türme im Südgrat der Noppenspitze | ||