Im nördlichen Gottesackergebiet Auf Rohrmooser Hörnle (1672m), Gatterkopf (1659m) und Untere Gottesackerwände (1856m) |

| Nachdem das Wetter morgens noch sehr schlecht ausgesehen hatte und wir die Hoffnung auf eine Tour schon fast aufgegeben hatten, entschieden wir uns erst am späten Vormittag, doch noch aufzubrechen. Wir fuhren mit dem Rad von Oberstdorf nach Rohrmoos und wollten dort dann je nach Wetter entscheiden, ob wir nur den Piesenkopf besteigen oder in Richtung Gatterscharte und Untere Gottesackerwände weitergehen. Ausgerechnet bei den Steigungen der Straße nach Rohrmoos schien dann das einzige Mal an diesem Tag länger die Sonne, und weil es eben schon Mittag war, wurde es gleich auch richtig unangenehm heiß. Wohl auch deshalb hatten wir dann in Rohrmoos weniger Lust zu der Piesenkopf-Tour, wo man den Großteil der Strecke am Südhang hochradeln muß (zu Fuß wäre die Teerstraße sicher nicht besonders spannend) und nur die letzten Höhenmeter ab der Piesenalpe zu Fuß aufsteigt. |
| Weil das erste Stück des etwa einen Kilometer hinter Rohrmoos beginnenden Wegs zur Gatterscharte durch einen kleinen Sumpf führt, wollten wir aber mit dem Rad auf dem noch einen Kilometer später abzweigenden Forstweg bis zu der Stelle fahren, wo ihn der Weg zur Gatterscharte kreuzt. Am Beginn des Forstwegs mußten wir dann allerdings feststellen, daß auch er ziemlich schlammig war. Außerdem lagen überall Rindenteile, weil gerade Waldarbeiten im Gange waren. Jedenfalls war diese Route zum Radeln nicht geeignet. Logisch wäre es jetzt gewesen, diesen Weg zu Fuß weiterzugehen, aber aus unerfindlichen Gründen dachten wir gar nicht an diese Möglichkeit und fuhren zurück bis zum Beginn des Fußweges. Dort kam uns auch schon eine Gruppe von Wanderern entgegen, denen der Weg nach den ersten Metern bereits zu sumpfig geworden war. Wir ließen uns davon aber nicht abschrecken und starteten selbst einen Versuch. Es ging schon so einigermaßen, allerdings ist die sumpfige Strecke ziemlich lang und es ging nur sehr langsam voran. Wenn man nicht genau geschaut hat, wo man hintritt, war man an einigen Stellen schnell bis zum Schuhrand eingesunken. Natürlich ärgerten wir uns jetzt darüber, nicht den Forstweg hochgegangen zu sein, ohne dabei zu ahnen, daß wir durch diese Dummheit wahrscheinlich sogar Zeit gespart haben. Wegen der Waldarbeiten an dem gesamten Hang war der Weg nämlich bei der Kreuzung mit dem Forstweg überhaupt nicht mehr zu erkennen, weil überall Stämme und Äste herumlagen. Wenn wir den Forstweg genommen hätten, hätten wir also keine Ahnung gehabt, wo wir die Abzweigung zur Gatterscharte hätten suchen müssen. Selbst so hatten wir Probleme, die Wegfortsetzung zu finden, aber nach ein paar Minuten hatten wir dann doch wieder eine Pfadspur unter den Ästen und einige rote Markierungen entdeckt. Von weiter oben sahen wir später einige Bergwanderer auf dem Forstweg, die offensichtlich nach der Abzweigung suchten. Vielleicht waren es wieder dieselben, die wir schon vorher getroffen hatten und die den Sumpf umgehen wollten. |
| Leider war allerdings schon nach kurzer Zeit keine Fortsetzung des gerade gefundenen Wegs mehr zu erkennen und auch die Suche nach Markierungen blieb erfolglos. Schließlich entdeckten wir dann doch ein Stück höher an zwei Stämmen rote Punkte und stiegen dorthin auf trotz der Vermutung, daß es nur Markierungen der Waldarbeiter sind. Genau so war es dann auch, jedenfalls war von einem Weg weiterhin nichts zu sehen. Als es auch noch leicht zu regnen anfing, dachten wir schon daran umzukehren, aber nachdem wir noch ein Stück weiter hochgestiegen waren, entdeckte Bernhard etwas weiter links den Weg plötzlich doch wieder. Nach dem ziemlich anstrengenden und zeitaufwendigen Stück mit vielen Hindernissen über den weglosen Waldhang kamen wir jetzt zügig voran und waren schon bald in der Gatterscharte angekommen. |
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| Gatterkopf mit der Südflanke, rechts die Gatterscharte | ||
| Von hier wollten wir als erstes den unmittelbar westlich gelegenen Gatterkopf in Angriff nehmen. Da er nach Norden und auch zur Scharte hin nach Osten mit senkrechten bis überhängenden Wänden abbricht, kommt nur ein Anstieg über die Südflanke in Frage - jedenfalls für uns. Auch hier gibt es allerdings eine zwar nur niedrige, aber nicht weniger steile Felsstufe, die auf dem Foto oben unter den Fichten beim Gipfel zu erkennen ist. Nachdem wir unterhalb davon ein Stück durch die Südflanke gequert waren und weder eine Durchstiegsmöglichkeit fanden noch ein Ende des Felsgürtels abzusehen war, entschieden wir uns dafür, doch zuerst das Rohrmooser Hörnle zu besteigen und uns später vom südlich gelegenen Sattel zwischen dem Gatterkopf und den Unteren Gottesackerwänden (Gattersattel) aus den günstigsten Aufstieg auf den Gatterkopf anzuschauen. Das Rohrmooser Hörnle liegt etwa einen halben Kilometer östlich der Gatterscharte und auch auf diesen Gipfel gibt es keinen Weg oder Trittspuren. Trotzdem ist die Besteigung kein Problem, die Hauptschwierigkeit liegt darin, zwischen kleinen Fichten, Latschen und Felsabbrüchen die günstigste Route zu finden. Ein paar Mal landeten wir in Sackgassen, aber bei einigen von ihnen hatten wir wenigstens einen eindrucksvollen Blick auf die Wandabbrüche im Norden. Nach der Überwindung eines letzten Latschenfelds erreichten wir dann den Gipfel. Als Aussichtsgipfel ist er wegen der geringen Höhe und seiner Lage nicht gerade zu empfehlen, aber wegen einer in 2000 Metern Höhe hängenden Wolkendecke hätten wir an diesem Tag auch von anderen Gipfeln aus keine bessere Sicht gehabt. |
| Zurück bei der Gatterscharte stiegen wir auf dem Weg zum Gottesacker ab bis kurz vor dem Gattersattel (1564m, in der Nähe liegt eine Alphütte) und stellten fest, daß der Gatterkopf über die Südflanke etwas links vom Gipfel ohne Probleme erstiegen werden kann. Auch hier ist der Grashang zwar zwischenzeitlich von einigen Felsen durchsetzt, aber er ist nirgends besonders steil. Wie wir feststellten hatten wir unseren ersten Versuch nur um ein kurzes Stück zu früh abgebrochen. |
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| Auf dem Gatterkopf, links hinten das Rohrmooser Hörnle | ||
| Auf dem Gipfel steht man dann direkt am Abgrund der 100 Meter hohen überhängenden Nordwand. Bis zum etwas weniger hohen Abbruch in die Gatterscharte konnten wir allerdings wegen einiger den Grat versperrenden Büsche nicht vorstoßen. Die Besteigung lohnt sich aber vom Weg Rohrmoos - Gottesacker aus auf jeden Fall und ist auch nur mit wenig Zeitaufwand verbunden. Trotzdem macht kaum jemand diesen interessanten Abstecher. Beim Abstieg wunderten wir uns schon darüber, daß uns doch zwei Leute entgegenkamen, sie hatten aber nur den im Bereich des Gattersattels anfangs undeutlichen Weg zur Gatterscharte nicht gleich gefunden und vermutet, daß wir von dort kämen. Nachdem wir ihnen den richtigen Weg erklärt hatten, machten wir uns an den Aufstieg in Richtung Untere Gottesackerwände, deren höchsten Punkt wir zum Abschluß der Tour noch besteigen wollten. Ohne die Weganlage wäre es wahrscheinlich ziemlich schwierig, einen Durchstieg durch den langgezogenen Wandabbruch zu finden. So braucht man im Bereich der Gatteralpe nur der Fortsetzung des von der Gatterscharte kommenden Wegs zu folgen, der die Unteren Gottesackerwände mit einer Linksschleife an einer weniger steilen Stelle überwindet. Kurzzeitig ist der Steig im felsigen Gelände gesichert, aber er bereitet keine besonderen Schwierigkeiten. Nachdem die Kammhöhe erreicht ist, wo der Blick auf die oberen Wände und den vorgelagerten Torkopf frei wird, führt der Weg zunächst etwas jenseits vom Wandabbruch durch die latschenbewachsene Südseite. Dann wird die mit 1848m zweithöchste Erhebung der Unteren Gottesackerwände direkt überquert, bevor der Weg den Bereich der Kammhöhe verläßt und mit einer deutlichen Linkswendung zum Windecksattel unterhalb vom Torkopf absinkt. Für die Besteigung des Hauptgipfels, der kaum 100 Meter weiter westlich im Kammverlauf liegt, darf man natürlich nicht zum Windecksattel absteigen, sondern muß den Weg knapp unterhalb vom Grat verlassen. Zwischen einigen Latschen hindurch geht es nun ein Stück durch die grasige Südflanke der Wände. Es ist ziemlich schwierig, von dort aus die Position des Gipfels zu erkennen, und der Weg nach oben ist durch eine Zone mit dichterem Latschengestrüpp versperrt. Nach einer Querung von ungefähr 50 Metern haben wir uns schließlich durch diese Latschenzone gezwängt und sind dabei auch ziemlich genau am höchsten Punkt ausgekommen, wobei wir uns zuerst allerdings nicht ganz sicher waren, welcher der teilweise mit auffallend gelben Steinblöcken bedeckten Höcker nun tatsächlich den Gipfelpunkt der Wände bildet. Neben der Aussicht auf die Oberen Gottesackerwände ist vom Gipfel aus auch der Blick entlang des Abbruchs der unteren Wände besonders schön. |
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| Auf den Unteren Gottesackerwänden mit Blick zum Rohrmooser Hörnle | ||
| Nach einem kurzen Gipfelaufenthalt machten wir uns auf den Rückweg und holten zunächst unsere Rucksäcke wieder, die wir unterhalb der sperrigen Latschen deponiert hatten. Danach ging es genau auf dem Anstiegsweg zurück zum Gattersattel und nach einem Gegenanstieg von nur wenigen Minuten weiter zur Gatterscharte. Der Weg von dort bis zur Forststraße war in Abstiegsrichtung nun nicht zu verfehlen, so daß wir uns darüber wunderten, warum wir ihn am Beginn der Tour erst so spät gesehen hatten. Um nicht noch einmal durch den Schlamm gehen zu müssen, entschieden wir uns diesmal für den Weg über die Forststraße, der sich wesentlich angenehmer gestaltete als die Aufstiegsroute. Die schöne einsame Wanderung endete schließlich mit der kurzen Radtour zurück nach Oberstdorf. |