Rund um den Kleinen Widderstein mit Besteigung des Bärenkopfs (2080m)



Eine Tourenbeschreibung von: Bernhard (u. Bearbeitung von Rainer)




Als wir um kurz vor 8 Uhr in Baad in Richtung Bärgunttal losgingen, war es noch so kalt, daß wir uns erstmal unsere Jacken anziehen mußten und ich sogar meine Handschuhe. Auch wenn es zu Beginn also ungünstig ist, daß der Anstieg über die schattige Nordostseite verläuft, ist genau das später ein großer Vorteil gegenüber der Alternative, die Tour im Gemsteltal zu beginnen. Zunächst gingen wir ein Stück auf dem "Panoramaweg über die Widdersteinhütten", der nach zehn Minuten nach links vom Hauptweg zur Bärgunthütte abzweigt.
Die Gipfel des Kleinen Widdersteins über der Bärgunttal-Flanke
 
Die Gipfel des Kleinen Widdersteins über der Bärgunttal-Flanke
 
Dort mußten wir dann, nach etwa einer Viertelstunde, den Weg zu den beiden Alp- bzw. Jagdhütten finden, die unterhalb des Bärenkopfs liegen. Laut Karte beginnt dieser ungefähr bei der zweiten (inneren) Widdersteinalpe. Doch leider sahen wir hier keinen Weg, und um keine Zeit zu verlieren, stiegen wir einfach über den Grashang zu einem Weidezaun auf in der Hoffnung, dort auf den Weg zu treffen. Und tatsächlich ging er dort los (im unteren Teil wurde er wahrscheinlich von Kühen zertrampelt). Man kann ihn aber nicht verfehlen, wenn man kurz vor den Sträuchern, die entlang des nach der Alpe herabkommenden Seitentals wachsen, zum oberen rechten Ende der Wiese aufsteigt.
Der Rücken des Wannenbergs auf der gegenüberliegenden Seite des Bärgunttals, rechts die Unspitze
 
Der Rücken des Wannenbergs auf der gegenüberliegenden Seite des Bärgunttals, rechts die Unspitze
 
Der deutliche Weg führt dann teilweise durch Wald immer nördlich des Seitentals entlang, bis er nach links zur unteren der beiden Hütten am Bärenkopf-Westhang abbiegt. An dieser Stelle dachten wir uns, lieber direkt aufzusteigen, als den Umweg über die Jagdhütte auszulatschen. So ging es dann über einen Grashang einige Meter hoch, bis wir letztlich wieder auf einen Weg trafen, auf welchem es nun bis unterhalb des Gras- und Geröllhangs, der zum Kar unter der Nordwand des Großen Widdersteins hinaufführt, weiterging. Nach kurzer Zeit wurde dieser Weg aber immer undeutlicher, so daß wir ab hier weglos weitergehen mußten. Der weitere Aufstieg zu unserem ersten Ziel, dem Kar unter der 400 Meter hohen Nordwand vom Großen Widderstein, verlief anfangs über noch nicht besonders steiles Gras, später über steileres Gelände mit mehr Geröll und auch einigen Felsen.
Am Beginn des Aufstiegs zum Kar unter der Widderstein-Nordwand
 
Am Beginn des Aufstiegs zum Kar unter der Widderstein-Nordwand
 
Im rechten Teil des Hangs verläuft ein Bach, der für die Verhältnisse im Sommer 2003 (wie wir später feststellten, gab es selbst im Bereich der Widderstein-Nordwand nur noch minimale Schneereste) relativ viel Wasser hatte. Nachdem wir uns erst eher links gehalten hatten, stiegen wir im Mittelteil direkt am Bach auf. Dort ist es zwar wahrscheinlich steiler und zum Teil auch etwas schrofendurchsetzt, aber dafür hat man sehr schöne Ausblicke nach oben zur über den vielen kleinen Wasserfällen des Bachs gelegenen Widderstein-Nordwand. Später sollte man sich dann aber in jedem Fall wieder mehr nach links orientieren, da das Karlstor (die Scharte zwischen Großem und Kleinem Widderstein) östlich über dem Kar liegt.
Bach unter den Wänden des Großen Widdersteins
 
Bach unter den Wänden des Großen Widdersteins
 
Im oberen Teil des Hangs wird das Gelände im Geröll allmählich wieder flacher, so daß man lange nicht erkennen kann, wie weit es noch bis zum Beginn des Kares ist. Allerdings stellt auch das Kar eigentlich nichts anderes als einen mittelsteilen Geröllhang dar, nur im linken Teil gibt es auch flachere Stellen. Mittlerweile war es schon schmorig heiß, weil jetzt über dem Verbindungsgrat zwischen den beiden Widdersteinen zum ersten Mal die Sonne erschien, doch ich wollte meinen schwarzen (!) Pullover unbedingt erst dann ausziehen, wenn wir bei der ersten Mulde des Kares ankamen, und so quälte ich mich den restlichen anstrengenden Aufstieg hinauf. Nachdem auch das geschafft war, machten wir erstmal gemütlich Brotzeit und freuten uns über den Schatten unterhalb einer kleinen senkrechten Felsstufe, in dem wir jetzt endlich sitzen durften. Doch es dauerte nicht lange, bis es mir wieder kalt wurde und so setzte ich mich lieber in die Sonne, über die ich mich noch vor ein paar Minuten so ärgerte. Zu meinem Pech verschwand die Sonne allerdings nur wenig später hinter einigen Wolken. Doch auch Rainer wurde es langsam kalt, und so stiegen wir weiter durch das Kar auf, um zum Karlstor, der Scharte zwischen Kleinem und Großem Widderstein, zu gelangen. Die senkrechte Felsstufe, unter der wir gesessen hatten, ist das Ende eines kurzen und kaum ausgeprägten Seitenastes vom Verbindungsgrat zwischen den Widdersteinen, der nur wenig südlich vom Karlstor beginnt und dann knapp 100 Höhenmeter tiefer im Kar endet. Nördlich von diesem Seitengrat führt ein schmaler und steiler Hang direkt zum Karlstor hinauf, zuerst über Geröll, dann über steiles Gras und Eisenhutfelder.
Blick aus dem Kar zum Karlstor
 
Blick aus dem Kar zum Karlstor
 
Da dieser Aufstieg nicht sehr angenehm aussah (auf dem Foto oben erscheint er wie üblich etwas flacher, weil das Bild von unten nach oben fotografiert ist), mit Sicherheit einige Eisenhut-Pflanzen in Mitleidenschaft gezogen hätte und wir außerdem noch den oberen Teil des Kars kennenlernen wollten, entschieden wir uns für den Weg rechts um die Felsstufe herum. Dabei hofften wir, so zum Verbindungsgrat zwischen den Widdersteinen zu gelangen und dann entweder auf dem Grat oder über die Hänge auf der anderen Seite von diesem Grat weiter zum Karlstor zu kommen. Nach Umgehung der Felsstufe durch das Geröll rechts von ihr erreichten wir dann auch ohne Probleme den Seitenast, der von dieser Seite gesehen nur ein nicht besonders steiler und sehr schwach ausgeprägter Grasrücken ist. Lediglich nach Norden zum Hang unterhalb des Karlstors hin bricht er mit einer senkrechten Stufe ab, südlich von ihm führen relativ flache Geröll- und Grashänge zum Grat.
Aufstieg auf dem Grasrücken, links die Gratfortsetzung in Richtung Kleiner Widderstein
 
Aufstieg auf dem Grasrücken, links die Gratfortsetzung in Richtung Kleiner Widderstein
 
Während des Aufstiegs hörten wir immer wieder Steinschläge in der Nordwand des Großen Widdersteins, zeitweise sogar mindestens einmal pro Minute. Sehen konnten wir die Steine eigenartigerweise aber nie. An einigen Stellen war das etwas unangenehm, denn trotz der recht großen Entfernung zur Wand bei unserer Aufstiegsroute könnten Steinschläge wegen der relativ steilen Geröllhänge unter der Wand möglicherweise gefährlich werden. Spätestens auf dem Grasrücken ist man dann aber aus der Gefahrenzone und erreicht hier bald den Grat, wo sich der Blick auf die südlichen Schafalpen zwischen Zwölferkopf und Geißhorn öffnet.
Aussicht auf Liechelkopf, Geißhorn und Biberkopf
 
Aussicht auf Liechelkopf, Geißhorn und Biberkopf
 
Diese Stelle gehört zu den schönsten der Tour, denn zusätzlich zum Blick auf die beeindruckende Nordwand vom Großen Widderstein sieht man nun auch relativ nah den Gipfel des Kleinen Widdersteins, auf dem es sogar ein kleines Gipfelkreuz gibt. Vom Karlstor aus führt der Grat zunächst sehr steil zum südwestlichen Vorgipfel und dann weiter zum nordöstlich gelegenen Hauptgipfel. Besonders auffallend ist dabei eine Gruppe von teilweise unglaublich spitzen Felstürmen (hier noch zwei Fotos, auf denen die Türme bzw. der Gipfel etwas größer als auf dem Foto unten zu sehen sind). Selbst wenn man beim Aufstieg vom Karlstor zum Gipfel nicht über diese Türme drüber muß, wäre diese Tour für uns definitiv zu schwer, aber wenn man's kann ist sie landschaftlich sicher sehr lohnend.
Nordwand des Großen Widdersteins
 
Nordwand des Großen Widdersteins
 
Grat zum Kleinen Widderstein (ganz rechts der Hauptgipfel)
 
Grat zum Kleinen Widderstein (ganz rechts der Hauptgipfel)
 
Das einzige was uns weniger gut gefiel war, daß wir über den Grat nicht zum Karlstor gelangen konnten. Die Scharte war zwar nur wenige Meter entfernt, aber durch einen Steilabbruch von uns getrennt. Auch eine Umgehung über die Hänge östlich vom Grat war nicht möglich, da sie ebenfalls sehr steil sind und es weiter unten zusätzlich noch einen Felsabbruch gibt, wie wir später von unterhalb sehen konnten. Allerdings hatten wir beim Aufstieg über den Grasrücken einige Trittspuren entdeckt, die zu einem Grasband führten, welches quer durch den steilen nördlichen Abbruch des Rückens direkt zum Karstor führt. So stiegen wir erstmal wieder die paar Meter ab, um uns das Grasband nochmal genau anzuschauen und dadurch den sonst unumgänglichen Abstieg bis zurück zu der Stelle unter der Felsstufe, wo wir Brotzeit gemacht hatten, vielleicht doch noch zu vermeiden. Rainer ging ein Stück voraus, und meinte, daß es nicht schwer sondern nur unangenehm sei, besonders am Anfang, wo der Grashang zwar noch nicht so steil ist, aber die Trittspuren noch nicht deutlich sind und sich unterhalb auch schon der Steilabbruch befindet.
Das Karlstor vom Grasrücken aus gesehen, rechts in der Mitte beginnt die Trittspur zur Scharte
 
Das Karlstor vom Grasrücken aus gesehen, rechts in der Mitte beginnt die Trittspur zur Scharte
 
Schließlich ging auch ich drüber, und wunderte mich wie einfach es eigentlich war (Schwierigkeitsgrad I). Wenn man die Trittspur erst einmal erreicht hat, ist sie sehr deutlich und nur an einer Stelle unterbrochen, wo man über eine felsige Stelle zur einen Meter tiefer gelegenen Fortsetzung des Bandes absteigen muß. Danach wird der Hang immer weniger steil und man kommt genau im Karlstor aus.
Querung auf der Trittspur kurz vor der Scharte
 
Querung auf der Trittspur kurz vor der Scharte
 
In der Scharte angekommen, ging es auf der anderen Seite zunächst ziemlich steil durch mehrere Distelfelder und über großes Geröll hinab, wo wir so manchen Müll von anderen Leuten entdeckten, was uns eigentlich ziemlich verwunderte, da wir auf der gesamten Tour keine einzige Person trafen und auch sonst hier wohl fast keiner anzutreffen ist. Als wir das große Geröll, das nur eine dünne Schicht bildete, hinter uns gelassen hatten, konnten wir uns nun an manchen Stellen über feineres Geröll gemütlich "herunterfahren lassen".
Rückblick auf den Abstiegshang und das Karlstor
 
Rückblick auf den Abstiegshang und das Karlstor
 
Doch diese Freude hielt nicht lange an, da wir nach einer Querung nach Norden über mehrere Rinnen sahen, daß wir noch ein ganzes Stück weiter absteigen mußten, um in die Flanke zu kommen, in welcher man schließlich zu unserem nächsten Ziel bei der Umrundung des Kleinen Widdersteins, nämlich der Scharte (Schafsattel) zwischen Kleinem Widderstein und Bärenkopf, aufsteigen kann. Zunächst hatten wir (obwohl es auf einigen früher gemachten Fotos eigentlich schon unmöglich aussah) gehofft, den Osthang des Kleinen Widdersteins direkt unter den Felsen seiner Ostwand queren zu können, aber ein zwischen 10 und 50 Meter hoher nach Osten ziehender Felsabbruch versperrte uns den Weg. Später sahen wir von der anderen Seite, daß es in diesem Felsriegel etwas weiter unten doch Lücken gegeben hätte, allerdings befindet sich dort oberhalb (südlich) der Stufe dichtes Latschengestrüpp, so daß diese Lücken wahrscheinlich weder leicht zu finden noch zu erreichen sind. Um dieses Latschengebiet und den Felsriegel zu umgehen, mußten wir nun erst wieder etwas zurück nach Süden queren und dann über einen Grashang weiter absteigen. Eine der bei diesen ganzen Querungen zu passierenden Geröllrinnen war dabei etwas zeitaufwendiger, weil wegen der aus feinem Geröll bestehenden Begrenzungen der tief eingeschnittenen Rinne eine Überquerung nur an wenigen Stellen möglich war. Nachdem wir schließlich genug abgestiegen waren ging es unterhalb des ärgerlichen Felsriegels nach Norden, wo wir schon von weiter oben eine verfallene Hütte entdeckt hatten, die in kaum einer Karte eingezeichnet ist.
 
Die verfallene Alphütte, im Hintergrund Zwölfer- und Elferkopf
 
Westflanken von Elferkopf und Elfertürmen
 
Westflanken von Elferkopf und Elfertürmen
(eine Fortsetzung des Panoramas zum Liechelkopf gibt es hier)

 
Die nächste spannende Frage war nun, wie schwer der Aufstieg zur Scharte zwischen Kleinem Widderstein und Bärenkopf ist. Der oberste Abschnitt sah nach einem sehr steilen Grashang aus, so daß wir von unten nicht beurteilen konnten, ob der Aufstieg zur Scharte für uns überhaupt möglich war. Allerdings bemerkten wir bald, daß die eigentliche Scharte noch gar nicht zu sehen war, weil sie von einem Felssporn der Nordostwände des Kleinen Widdersteins verdeckt war. So mußten wir bis kurz unterhalb des Grats aufsteigen ohne zu wissen, ob es vielleicht völlig umsonst war.
Rechts die Scharte zwischen Kleinem Widderstein und Elfertürmen; links der Felsriegel, der uns zunächst den Weg versperrt hatte
 
Rechts der Hang unter der Scharte zwischen Kleinem Widderstein und Bärenkopf; links der Felsriegel, der uns zuvor den Weg versperrt hatte
 
Zuerst ging es noch über Gras hinauf, doch der Grashang ging dann in steiles Geröll über, wo ich die "tolle" Idee hatte, entlang der Nordostwand des Kleinen Widdersteins aufzusteigen, weil es dort besonders schattig war. Das stellte sich aber als großer Fehler heraus, denn schon nach ein paar Metern kamen wir in so feines und dünnes Geröll, daß wir nicht mehr weiter konnten. So rutschte ich ab und konnte kaum noch aufstehen, weil ich bei jeder Bewegung wieder weiter rutschte. Dank Rainers Hilfe schafften wir aber auch dies. Nun querten wir erstmal in nördliche Richtung, wo man über weniger steile Gras- und Geröllhänge aufsteigen kann. So erreichten wir zuletzt über steiler werdendes Gras ohne große Probleme die Stelle am Fuß des Felssporns kurz unterhalb der Scharte, wo man diese zum ersten Mal über sich sieht. Nun versperrte uns aber eine ca. 20 Meter lange Rinne mit brüchigem Gestein den Weg, dessen Schwierigkeit man mit I einstufen könnte. Dabei ist die unterste ca. zwei Meter hohe Stufe das größte Problem, weil man dort fast keine Griffe hat. Da direkt darunter allerdings ein flacher Absatz ist, war das für uns keine unüberwindbare Schwierigkeit, obwohl wir uns an dieser Stelle länger aufhielten. Nach kurzer Kletterei standen wir dann in der Scharte, und so blieb uns die Entscheidung erspart, ob wir auch einen Anstieg über die steile Grasflanke weiter nördlich probiert hätten.
Rückblick von der Scharte auf die Aufstiegsrinne
 
Rückblick von der Scharte auf die Aufstiegsrinne
 
Da in einigen Karten ein Pfad in Richtung Bärenkopf eingezeichnet ist, der ganz in der Nähe des Schafsattels beginnt, hatten wir gehofft, über ihn relativ schnell zum Gipfel des Bärenkopfs zu gelangen, den wir zum Abschluß unserer Tour noch besteigen wollten. Schon morgens hatten wir aber von der Bärgunttal-Seite her gesehen, daß der erste Abschnitt des Grats wohl kaum problemlos zu begehen sein würde, und so fanden wir hier auch keine Trittspuren in Richtung Bärenkopf. Nachdem wir auf die erste kleinere Erhebung nördlich der Scharte aufgestiegen waren, entschieden wir uns etwas vorschnell, wieder zur Scharte zurückzugehen und nicht weiter über den Grat in Richtung Bärenkopf. Besser wäre es gewesen, wenn wir uns die etwas schwieriger aussehenden Stellen noch einmal in Ruhe angeschaut hätten, denn nach einem schmalen Gratstück über einige Höcker und der Umgehung eines größeren Grataufschwungs wäre der restliche Weg kein Problem mehr gewesen.
Fortsetzung des Grats in Richtung Bärenkopf
 
Fortsetzung des Grats in Richtung Bärenkopf
 
Unsere Entscheidung hatte immerhin den Vorteil, daß wir nun mit dem Abstieg vom Schafsattel nach Westen in Richtung Bärgunttal auch noch die letzte Anstiegsmöglichkeit zu einer der beiden den Kleinen Widderstein einrahmenden Scharten kennenlernten und dadurch außerdem die Umrundung des Kleinen Widdersteins auf dem kürzestmöglichen Weg beendeten. Im obersten Teil des Westhangs waren im steilen Gras einige Kehren von einer Trittspur erkennbar, die offensichtlich zum Beginn des südlich der Scharte mit einer kurzen plattigen Felsstufe ansetzenden Nordgrats des Kleinen Widdersteins führt. Jedenfalls endete die Trittspur genau dort, und wie wir später sahen, gibt es im Grasgelände oberhalb der plattigen Felsen eine Fortsetzung der Pfadspur.
Blick vom Schafsattel auf den Nordgrat des Kleinen Widdersteins
 
Blick vom Schafsattel auf den Nordgrat des Kleinen Widdersteins
 
Nach wenigen Höhenmetern endete die Pfadspur dann in einer Geröllrinne, die unmittelbar an den steilen Felswänden des Kleinen Widdersteins entlang den gesamten Hang bis auf die Höhe der Jagdhütten hinunterführt.
Der Abstiegshang mit der Geröllrinne von der Scharte aus gesehen
 
Der Abstiegshang mit der Geröllrinne von der Scharte aus gesehen
 
Die Rinne war nicht immer angenehm zu begehen, weil sie relativ steil war und es viele größere Steine und Felsblöcke gab. Daher versuchten wir über den Grashang rechts von ihr abzusteigen, was sich aber als noch schlechter herausstellte, weil er trotz absoluter Trockenheit teilweise aalglatt war. Auch der Vorschlag von Rainer, nach dem Ende der Felswände vom Kleinen Widderstein links der Rinne abzusteigen, weil dort zunächst einige Trittspuren zu sehen waren, brachte keinen Vorteil. Denn das Gelände wurde dort schon nach kurzer Zeit steiler und es war sogar ziemlich unangenehm, wieder zur Rinne zurück zu gelangen.
Rückblick aus der Geröllrinne zum Schafsattel
 
Rückblick aus der Geröllrinne zum Schafsattel
 
Obwohl wir uns gegen die Besteigung des Bärenkopfs über den Grat vom Schafsattel aus entschieden hatten, wollten wir ihn jetzt trotzdem noch auf dem üblichen Anstiegsweg über die Westhänge erreichen. Dazu mußten wir leider bis auf Höhe der oberen Jagdhütte absteigen, da sich weiter oben nördlich der Abstiegsrinne nicht zu überquerende steile Seitengrate und weitere sehr tief eingeschnittene Rinnen befinden. Schließlich gelangten wir auf einen von oben gut zu sehenden Weg, der zur oberen Jagdhütte führte. Nach ein paar Minuten standen wir dann vor der Hütte, von der aus es bis zum Bärenkopf noch 400 Höhenmeter sind. Leider fanden wir von der Jagdhütte aus keinen Weg in Richting Gipfel, obwohl es dort hunderte Wege gibt, die im Laufe der Jahre von trampelnden Kühen angelegt wurden (die Hütten werden wohl mehr zur Alpwirtschaft als zur Jagd genutzt). Nachdem wir einige Minuten auf diesen Wegen herumgeirrt waren, wollten wir keine Zeit verlieren, und stiegen deshalb etwas südlich der Hütte direkt über einen Grashang rechts von einem Baum- und Strauchgebiet hinauf.
Aussicht beim Aufstieg zum Bärenkopf auf Kleinen und Großen Widderstein, darunter der Aufstiegshang zum Kar unter der Nordwand
 
Aussicht beim Aufstieg zum Bärenkopf auf Kleinen und Großen Widderstein, darunter der Aufstiegshang zum Kar unter der Nordwand
 
So waren wir vermutlich sogar schneller als wir auf einem angelegten Weg gewesen wären und trafen dann, nachdem wir uns wieder mehr links (nordöstlich) gehalten hatten, nach gut 300 Höhenmetern auf eine Pfadspur. Diese verlief allerdings nur quer über den Grashang und endete an dem Grasrücken, der die nördliche Grenze der Bärenkopf-Westhänge bildet und vom Gipfel kommend nach Westen verläuft. Einige Meter höher auf diesem Rücken führte wieder eine Trittspur nach Süden in den Westhang, die wir zunächst verfolgten. Als klar war, daß auch diese Pfadspur nur waagrecht verläuft und sicher nicht zum Gipfel führte, mußten wir die restlichen Meter wieder weglos direkt zum Südgrat aufsteigen, um von dort dann nach ein paar Metern auf den Gipfel zu gelangen. Neben einem Tiefblick auf das gesamte Kleine Walsertal hat man vom Bärenkopf aus einen besonders schönen Ausblick auf die beiden Widdersteine. Für alle, die sich für die Besteigung des Kleinen Widdersteins über den Nordgrat interessieren, könnte dieses vom Bärenkopf aus aufgenomme Foto mit hoher Auflösung (und deshalb auch starker Komprimierung auf 330KB) nützlich sein, auf dem fast der gesamte Nordgrat und auch einige Trittspuren in den weniger steilen Abschnitten zu sehen sind. Unseren Aufstieg am Vormittag zum Kar konnten wir von hier aus ebenfalls gut verfolgen. Außerdem war eine deutliche Pfadspur zu sehen, die vom Bärenkopf über den Grat nach Süden in Richtung zur Scharte vor dem Kleinen Widderstein führt. Allerdings ist vom Bärenkopf aus nur der Gratabschnitt bis oberhalb des größeren Felsabbruchs sichtbar.
Kleiner und Großer Widderstein vom Bärenkopf
 
Kleiner und Großer Widderstein vom Bärenkopf
 
Nordwand des Großen Widdersteins
 
Nordwand des Großen Widdersteins
 
Nach einer längeren Pause stiegen wir gegen 17.30h zuerst weglos auf dem Grasrücken nach Westen ab, was natürlich auch die günstigere Aufstiegsroute gewesen wäre anstatt die nach Süden führende Trittspur zu verfolgen. Als wir die Stelle erreichten, wo wir beim Aufstieg auf den Westrücken getroffen waren, entschieden wir uns nach einiger Überlegung, wieder entlang der Aufstiegsroute abzusteigen. Die Alternative wäre gewesen, weiter den Westrücken zu verfolgen. Dagegen sprach aber, daß auch hier kein Weg zu sehen war und von oben nicht mit 100-prozentiger Sicherheit zu erkennen war, ob der Abstieg zu den beiden Jagd- und Alphütten hier wirklich problemlos möglich ist. Wahrscheinlich würde diese Route aber selbst dann etwas länger dauern. Also stiegen wir über die Grashänge nach Südwesten ab und trafen nach 300 Höhenmetern wieder auf den Weg, auf dem wir zuvor von der Geröllrinne kommend die obere Hütte erreicht hatten. Diese lag zwar nur wenig entfernt auf gleicher Höhe, aber wir setzten trotzdem unseren direkten weglosen Abstieg fort, weil laut Karte der Verbindungsweg zwischen den beiden Hütten nur 50 Höhenmeter tiefer genau unterhalb von uns entlangführen sollte. Dies war dann zum Glück auch der Fall, da wir auf den Bus von Baad zurück nach Oberstdorf angewiesen waren und nur noch wenig Zeit hatten, um den vorletzten Bus kurz nach 19 Uhr zu erwischen. Der letzte wäre dann erst eine Stunde später gefahren. So stiegen wir schnell (abgesehen von den beiden letzten von unzähligen Fotopausen) zur unteren Hütte ab und kamen wenig später schon wieder auf dem Panoramaweg an, wo es schließlich nur noch etwas mehr als einen Kilometer bis Baad war. Dort mußten wir dann noch fast eine Viertelstunde auf den Bus warten, weil wir doch zu schnell abgestiegen waren. Mit einer ziemlich lustigen Busfahrt (nach den Worten eines Mitfahrers ging es zu "wie im Bauerntheater") ging unsere Tour dann zu Ende.



Mehr zu den bestiegenen bzw. umrundeten Gipfeln auf den einzelnen Gipfelseiten:

Kleiner Widderstein  /  Bärenkopf


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