Auf die Roßkarspitzen Westliche: 2298m, Östliche: 2294m |

| Als Ausgangspunkt wählte ich wie bei der Tour auf die Roßzähne die Lechbrücke der Straße Stanzach - Vorderhornbach. Es ist zwar vielleicht nicht die günstigste Variante, wenn man so wie ich von Norden kommt, aber im Lechtal kann es oft von großem Vorteil sein, bereits eine Parkmöglichkeit zu kennen (ca. 200m nach der Brücke bei der Abzweigung eines Forstwegs kurz hinter einem einzelnen Gebäude). Für die folgende Strecke entlang des Lechs nach Norden kann ich nur die Mitnahme eines Fahrrads empfehlen, das spart erstens viel Zeit und zweitens ist man gerade beim Rückweg froh, diese langweilige Strecke nicht mehr zu Fuß laufen zu müssen. Bei der Abzweigung des Schwarzwassertals stellte ich mein Radl dann ab; so hielt ich mir auch noch die Möglichkeit offen, bei einem frühzeitigen Scheitern an den Roßkarspitzen über das Sattele zurück ins Lechtal zu gehen und damit zumindest noch etwas Neues kennenzulernen. Beim folgenden Wegstück bis zur Abzweigung des Sieglalp-Wegs hinter der Schnattererbachbrücke hatte ich dann das Glück, daß mich zwei nette Herren im Auto mitgenommen haben. An dieser Stelle nochmal vielen Dank dafür, denn die Strecke im Schwarzwassertal ist wirklich sowohl langweilig als auch langwierig. Da ich den weiteren Aufstieg ins Große Roßkar schon bei der Roßzahn-Tour beschrieben habe, hier nur noch einmal kurz das Wichtigste: Erst geht es durch das Schwarzwassertal bis kurz nach der Brücke über den Schnattererbach, wo ein breiter Fahrweg nach links abzweigt (Wegweiser zur Sieglalp). Auf diesem gelangt man, immer dem Hauptweg folgend, bis zum Roßkarbach. Eine mal mehr und mal weniger deutliche Pfadspur führt von hier bis ins Große Roßkar, erst in Aufstiegsrichtung links vom Bachbett, dann ziemlich undeutlich und mit einigen Unterbrechungen eher rechts. Im zweiten Abschnitt verläßt der Pfad wie in den Karten eingezeichnet das nun tiefer eingeschnittene Bachbett und erreicht über die Hänge links von ihm das Große Roßkar. |
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| Die Roßkarspitzen über der Karschwelle des Großen Roßkars (Zum Vergrößern auf die Originalgröße von 1024x768 auf das Bild klicken - es wird ein neues Fenster geöffnet) | ||
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| Nordwestgrat der Westlichen Roßkarspitze. Über die rechts im Schatten liegende Flanke führt der Aufstieg | ||
| Fast während des gesamten Aufstiegs durch das Roßkarbachtal liegen die Roßkarspitzen direkt vor einem. Zum Kar hin fallen sie mit sehr steilen Wänden ab, und auch ihr Verbindungsgrat sieht von dieser Seite her kaum begehbar aus. Am deutlichsten wird das auf diesem im Karboden aufgenommenen Foto des westlichen Gratabschnitts, wobei ganz rechts im Bild der Gipfel der Westlichen Roßkarspitze liegt. Er bricht nach links relativ steil auf den kaum eingescharteten Grat ab. Auch den nächsten Abschnitt der Tour, den Aufstieg vom Großen Roßkar zur Roßkarscharte, kannte ich bereits von von meiner ersten Roßkar-Tour. Wie dort schon beschrieben ist es am angenehmsten, nicht direkt zur Scharte aufzusteigen, sondern zunächst die etwas weiter rechts gelegenen Graszungen zu benutzen (siehe Foto unten). Auf den letzten Metern zur Scharte nach dem Ende der begrünten Stellen kann man sich dann schonmal an das Geröllgelände gewöhnen, das einen ab hier fast während des gesamten weiteren Gipfelanstiegs in ähnlicher Form begleitet. Auch wenn es sich hier noch um einen relativ ungefährlichen Geröllhang handelt, ist ein Mindestmaß an sicherem Gehen im weglosen Geröllgelände auch schon für das Erreichen der Roßkarscharte erforderlich. |
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| Die Roßkarscharte über den Geröllhängen des Großen Roßkars Und hier der Blick in umgekehrter Richtung: Aus der Roßkarscharte auf das Kar | ||
| Der Nordwestgrat der Westlichen Roßkarspitze beginnt an der Roßkarscharte mit einer mehrere Meter hohen Steilstufe. Für Nicht-Kletterer wäre die Tour an dieser Stelle wohl schon zuende, wenn nicht eine schmale und tief eingeschnittene Rinne ein paar Meter weiter südlich den Felsabbruch durchschneiden und zum darüber gelegenen Geröllabsatz führen würde. Von der Roßkarscharte her gesehen ist die weitere Gratfortsetzung durch die Felsstufe verdeckt. Für einen besseren Überblick lohnt es sich, kurz auf die nächste kleine Erhebung im Grat zum Jochumkopf aufzusteigen. Da ich allerdings schon bei meinem ersten Besuch der Roßkarscharte dort eine längere Pause (und viele Fotos) gemacht hatte, verzichtete ich dieses Mal darauf. Trotzdem hier noch eines dieser Fotos zur besseren Orientierung. Man sieht darauf die Westflanke der Westlichen Roßkarspitze, die vom direkten zum Gipfel ziehenden Nordwestgrat begrenzt wird. Dieser meist felsige Grat dürfte nicht so leicht überklettert werden können, dafür ist die Westflanke selbst aber fast durchgehend geröllbedeckt und teilweise sogar etwas begrünt. Wie ich später feststellte, handelt es sich aber nicht so wie es zunächst aussieht um normales Gras, sondern um irgendwelche anderen polsterbildenden Pflanzen, wie sie im Hauptdolomit-Gestein häufig vorkommen. Da sie das Geröll stabilisieren, sind diese Passagen natürlich zumindest im Aufstieg am angenehmsten. Den rechten Rand der Flanke bildet ein Seitengrat, der am Gipfel in südwestliche Richtung abzweigt. Um zum Beginn der Rinne zu gelangen, muß man genau auf Höhe der Scharte wenige Meter durch die immer noch relativ steile Flanke unterhalb von der Felstufe queren. Auf den ersten Blick sieht das etwas unangenehmm aus, aufgrund der guten und fast ebenen Gerölltritte ist es letztlich aber kein großes Problem. |
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| Querung von der Roßkarscharte zur Einstiegsrinne (Felseinschnitt im Vordergrund), dahinter eine Schulter im Südwestgrat der Westlichen Roßkarspitze | ||
| Weil die Sonne jetzt am frühen Vormittag fast direkt über der Westflanke stand, verzichtete ich beim weiteren Aufstieg aufs Fotographieren. Dabei ging ich davon aus, daß die Lichtverhältnisse beim späteren Abstieg dann optimal sein würden. Was ich dabei leider nicht einkalkuliert hatte (weil es auch überhaupt nicht absehbar war): Schon mittags zogen viele Wolken auf, die zuerst die "optimalen Lichtverhältnisse" verhinderten und wenig später auch schon die ersten Gipfel einhüllten. Bei einigen Wolkenlücken habe ich dann aber doch noch ein paar ganz gute Bilder machen können, so daß einige der folgenden Fotos (wie auch das obige) eigentlich vom Abstieg stammen. Der Anstieg durch die Rinne war wesentlich angenehmer als bei meiner ersten Tour, als sie noch viel mehr mit einer extrem dicken und rutschenden Geröllschicht gefüllt war. Der Zustand hängt wahrscheinlich stark vom Zeitpunkt der letzten Begehung ab. Allerdings ist es in der engen Rinne aufgrund der senkrechten Begrenzungswände auch ganz gut möglich, ähnlich wie in einem Kamin aufzusteigen und nur die Seitenwände als Griffe und Tritte zu benutzen. An einer Stelle ist der Geröllboden durch eine Felsstufe unterbrochen, die aber nur etwa einen Meter hoch ist. Der Aufstieg durch die Rinne liegt, wie auch noch einige weitere Passagen im restlichen Anstieg bis zur Westlichen Roßkarspitze, im ersten Schwierigkeitsgrad. Bei der ersten Gelegenheit, wo die linke Begrenzungswand zurückweicht, verläßt man am besten die Rinne nach links und gelangt so auf die Abdachung oberhalb der Felsstufe. Insgesamt sind in der Rinne nur etwa zehn Höhenmeter zurückzulegen. Die Westflanke der Westlichen Roßkarspitze wird im unteren Abschnitt von einer charakteristischen, schon von weitem auffallenden Geröllrinne geteilt. Diese befindet sich eher im linken (nördlichen) Teil der Flanke und verläuft an ihrem oberen Ende direkt unterhalb der steilen Felsen des Nordwestgrats. Ein Aufstieg direkt in der Rinne dürfte nicht sehr empfehlenswert sein, gerade nach den Erfahrungen mit dem Geröll in der Rinne über der Roßkarscharte. Deshalb ist es zweckmäßig, schon relativ bald die Rinne nach Süden zu überqueren und den breiten Geröllhang rechts von ihr für den weiteren Aufstieg zu benutzen. Dazu steigt man zunächst noch etwas an, um dann die erste sinnvolle Möglichkeit zum Überqueren der Rinne zu nutzen, wo sie für ein ganz kurzes Stück eine flache Felsplatte als Grund hat. |
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| Blick nach oben beim Überqueren der großen Rinne in der Westflanke | ||
| Auf der anderen Seite der Rinne ist nun ein problemloser Aufstieg über nicht allzu steiles und oft auch noch begrüntes Geröll möglich. Auch wo das Geröll nicht durch die erwähnten Pflanzen zusammen gehalten wird, ist es nicht übermäßig rutschig und meistens stehen gute flache Tritte zur Verfügung. |
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| Aufstieg in der Westflanke | ||
| Der Hang endet oben an einem felsigen Querriegel, der die Westflanke in einen unteren und einen oberen Abschnitt teilt und von unten gesehen ein bedeutendes Hindernis beim Aufstieg darzustellen scheint. Zum Glück gibt es aber eine Unterbrechungsstelle des sonst mehrere Meter hohen Felsriegels, an der es relativ leicht möglich ist, die wieder flacheren Hänge oberhalb von ihm zu erreichen. Dazu quert man am Ende des Aufstiegshangs direkt unter dem Riegel über Geröll und ein paar Schrofen schräg aufwärts nach links. Damit gelangt man wieder in den Bereich der großen Westflanken-Rinne, die auf dieser Höhe ihren Ursprung hat. Hier ist nun der Felsriegel auf einige einfache Schrofen reduziert und der Aufstieg zum folgenden Geröllhang möglich. |
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| Bei der Querung zur Unterbrechungsstelle der Felsstufe | ||
| Da der Gipfel auf dieser Seite oben aus steilem Fels aufgebaut ist, ist es beim weiteren Anstieg zweckmäßig, sich wieder rechts zu halten und den obersten Teil des Südwestgrats zu erreichen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten, da die rechts gelegene Flanke im mittleren Teil von einem weiteren Schrofenriegel in eine obere und eine untere Hälfte geteilt wird. Entweder kann man direkt über dem gerade überwundenen Felsriegel wieder nach rechts queren und dann nach dem Ende der oberen Felsstufe gerade ansteigen, oder man steigt vor dem linken Beginn der Felsstufe zuerst etwas auf und quert dann über ihr nach rechts. Da ich bei meiner Besteigung der Roßzähne erkannt zu haben glaubte, daß die erste Variante die bessere ist, entschied ich mich für diese Route. Allerdings sah es vor Ort dann so aus, als ob es zwischen den beiden Wegen letztlich keinen großen Unterschied gibt. Weil die Querungen jeweils über etwas steilere Geröllhänge führen, während die Aufstiegspassagen begrünt sind, hätte ich mich ohne die Tourenvorbereitung sicher für den sofortigen Aufstieg entschieden. Auf dem ersten Bild unten ist die Variante mit dem direkten Aufstieg und der späteren Querung zu sehen, auf dem zweiten die von mir gewählte Variante. Gut zu erkennen ist dabei, daß die Fortsetzung des Aufstiegs beim zweiten Bild vor Ort nicht ersichtlich ist und man deshalb eher nicht auf die Idee kommen würde, hier weiterzugehen. |
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| Der Gipfel über dem Hang oberhalb des großen Querriegels | ||
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| Querung zurück nach rechts über den Geröllhang zwischen den beiden Felsriegeln | ||
| Bei der auf dem Bild oben zu sehenden Geröllquerung erreicht man nach kurzer Zeit das Ende des oberhalb liegenden Felsriegels und damit zugleich das untere Ende eines bequem zu begehenden, meist begrünten Hangs. Über ihn ist es nicht mehr weit bis zum obersten Teil des Südwestgrats dicht beim Gipfel, so daß ich meiner Meinung nach insgesamt eine ganz günstige Route durch die Westflanke gewählt hatte und auch beim Abstieg wieder denselben Weg benutzt habe. Einen Rückblick von oben auf die Westflanke gibt es hier. Der erste Blick beim Erreichen des Südwestgrats gilt natürlich der Östlichen Roßkarspitze und dem Verbindungsgrat dorthin. Beeindruckend ist der Blick auf die zerrissenen Türme und von Geröllstreifen durchzognenen Wände in jedem Fall, Zuversicht für ein Gelingen des Übergangs zur Östlichen Roßkarspitze gab er mir allerdings zunächst eher nicht. Besonders der erste Abschnitt schien mir nicht gerade leicht zu sein. |
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| Verbindungsgrat zur Östlichen Roßkarspitze | ||
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| Östliche Roßkarspitze | ||
| Über den weitgehend flachen Grat sind es nun nur noch wenige Höhenmeter bis zum Gipfel. Neben viel Geröll ist hier auch noch eine kurze unschwierige Kletterstelle (I) zu bewältigen, wobei eine kleine Stufe schon im oberen ersten Grad liegt, aber nicht ausgesetzt ist (hier ein Bild vom Gipfelgrat). Dabei kann man schon einmal die Aussicht genießen, die sich am Gipfel der Westlichen Roßkarspitze dann nochmals erweitert. |
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| Westteil des Großen Roßkars mit Jochumkopf und Großem und Kleinem Roßzahn Dazu noch ein weiteres Foto vom Kleinen Roßzahn über dem Kar | ||
| Am Gipfel machte ich dann erst einmal eine längere Pause, weil ich die Wahrscheinlichkeit für einen erfolgreichen Übergang zur östlichen Spitze für ziemlich gering hielt und es für einen Rückweg über das Sattele mittlerweile auch schon zu spät gewesen wäre. Das Problem beim Übergang zum Ostgipfel war vor allem, daß wegen der speziellen Geländestruktur nur ein Teil der Route von der westlichen Spitze aus zu sehen ist. Wie schon auf den Bildern oben zu erkennen, besteht der Grat selbst aus zahlreichen brüchigen Felstürmen. Von ihm ausgehend verlaufen mehrere kurze Seitensporne nach Süden. Etwa 30 bis 40 Höhenmeter unter der Gipfelhöhe der Roßkarspitzen verläuft ein Geröll- und Grasband unter den Grattürmen durch die gesamte Südflanke. Da es bei den Seitenrippen jeweils eine Ausbiegung nach Süden macht und so immer auf gleicher Höhe bleibt, sind von der Westlichen Roßkarspitze aus gesehen große Teile dieses Bandes von den Seitengraten verdeckt. Damit war es für mich nicht möglich, die Schwierigkeit des Übergangs genau einschätzen zu können. Die sichtbaren Stellen schienen mir zwar teilweise sehr unangenehm, aber nicht unüberwindlich zu sein. Eine gewisse Hilfe war für mich eine Gemse, die auf dem nächsten Absatz östlich vom Gipfel bei meiner Ankunft gerade mit Fressen beschäftigt war. Es scheint so, als ob die Gemsen hier oben kaum mit einem Besuch rechnen, denn trotz der geringen Entfernung bemerkte sie mich erst nach einigen Minuten. Nach einigen der typischen Warnrufe, die im Bereich des Großen Roßkars fast ständig zu hören sind, machte sie sich in kurzen Etappen auf den Weg in Richtung der östlichen Spitze. Diese wurden immer wieder unterbrochen von einem Blick zurück und einem weiteren Warnruf. Ich fand es ganz interessant, ihre Route zu verfolgen, auch weil bei einigen Erstbegehungen von Anstiegsrouten auf bekannte Berge Gemsen ja eine entscheidende Rolle gespielt haben sollen (zum Beispiel bei der Erstbesteigung der Trettachspitze und der Erstbegehung des Anstiegs auf die Freispitze (Lechtaler Alpen) von der Freispitzscharte aus). Tatsächlich hat auch mir die Beobachtung des genauen Fluchtwegs der Gemse etwas geholfen und mir eine unangenehme Geröllpassage erspart. Außerdem hatte ich nun wieder eher die Hoffnung, daß ein Übergang auch für mich möglich ist, und entschied mich schließlich, zumindest einen Versuch zu starten. |
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| Blick vom Gipfel auf die erste Einschartung im Verbindungsgrat der Roßkarspitzen | ||
| Das erste - und wie sich herausstellen sollte eigentlich auch schon schwierigste - Problem war, das lange Geröllband überhaupt erst einmal zu erreichen. Wie auf dem Foto oben zu sehen ist, bricht der Gipfel nach Osten hin relativ steil ab. Die folgende Einschartung wäre über einige Graspolster zwar sicher zu erreichen gewesen, bei einem Blick (von den obersten Metern des Südwestgrats aus) auf die von der Scharte noch bis zum Geröllband fehlenden Abstiegsmeter hatte ich aber den Eindruck, daß das Abklettern einer steilen und sicher brüchigen Felsstufe unumgänglich wäre. Wie ich später von unten her sehen konnte, ist diese Route auch tatsächlich sicher nicht die beste (=leichteste) Variante. Eine weitere Möglichkeit sah ich in dem Abstieg über eine steile Graszunge aus der obersten kleinen Einschartung im Südwestgrat, wobei ich allerdings von keinem Standpunkt aus sicher erkennen konnte, daß das Geröllband auf diese Weise wirklich gut zu erreichen ist. Ursprünglich hatte ich (unter anderem anhand dieses von der Klimmspitze aus aufgenommenen Fotos, auf dem das gesamte Band gut zu verfolgen ist) geplant, das Geröllband schon bei seinem Beginn am Südwestgrat zu betreten. Dieser fällt aber von oben her mit einer senkrechten Felsstufe zum Absatz am Beginn des Bandes hin ab. Deshalb wäre es notwendig, bereits von der Westflanke ausgehend dorthin zu gelangen, was mir beim Aufstieg allerdings wegen einer Felsstufe ebenfalls nicht ganz leicht zu sein schien. Deshalb entschied ich mich für die zweite Variante und ging vom Gipfel zunächst auf dem Südwestrücken einige Meter bis zu seiner ersten ganz kleinen Einschartung (es geht dahinter keine zwei Meter wieder hoch), wo die oben noch begrünte Rinne herunterzieht. |
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| Blick von oben auf die Abstiegsrinne zum großen Geröllband | ||
| Die Rinne scheint, wie auf dem Foto zu sehen ist, mit einem steilen Abbruch zu enden. Tatsächlich befindet sich vor dem Abgrund aber noch der kaum zu erkennende Absatz des Geröllbandes. Die obersten Meter in der ziemlich steilen Rinne waren noch nicht allzu schwierig, darunter hören die Pflanzenpolster aber auf und das Gelände wird teils geröllig und teils schrofig. Da zur Beurteilung der Felsqualität an den Roßkarspitzen ein einziger Blick genügt, fand ich diesen Abstieg nicht besonders angenehm. Fast durchgehend sind die Schrofen sehr brüchig und noch dazu ist jede halbwegs flache Stelle mit Steinen bedeckt. Bei diesem Rückblick aus der Rinne nach oben ist das gut zu erahnen. Da der weitere Routenverlauf bis zur Östlichen Roßkarspitze nicht mehr anspruchsvoller wird, an dieser Stelle schon einmal etwas zur Schwierigkeit des Übergangs zwischen den Gipfeln: Die Bewertungen in der Literatur reichen von "besseres Gehgelände" (dies allerdings im Anschluß an den Aufstieg über den schwierigen Ostgrat der östlichen Spitze) über I+ bis zu II. Alle diese Angaben sind in gewisser Hinsicht richtig. Das Geröllband, das den Großteil des Übergangs ausmacht, ist insofern wirklich Gehgelände, als es keine Kletterstellen mit Benutzung der Hände gibt. Auf die Bewertung I+ könnte man kommen, wenn man sich streng nach der technischen Schwierigkeit der Kletterei im Felsgelände orientiert. Für am sinnvollsten halte ich allerdings die Bewertung mit II, da die Gesamtanforderungen und (in der Abstiegsrinne) auch die Geschwindigkeit des Vorankommens eher einer IIer-Kletterei entsprechen. Die Bewertung nach der UIAA-Skala ist für solche Touren eigentlich kaum geeignet, weil es sich hier um keine übliche Felskletterei handelt, sondern um eine Tour durch brüchiges Schrofen- und Geröllgelände. Dabei ist mehr Vorsicht und Trittsicherheit notwendig als bei mancher anderen Tour im zweiten Schwierigkeitsgrad und deshalb erscheint mir diese Einstufung angemessen. Allerdings könnte ich mir gut vorstellen, daß normalerweise nur wirklich gute Bergsteiger auf die Idee kommen, die Roßkarspitzen zu besteigen. Also vielleicht empfinden andere die Tour als leichter. |
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| Der weitere Routenverlauf nach dem Abstieg durch die Rinne | ||
| Unterhalb der schrofigen Passage endet die Rinne dann mit einem kurzen Geröllhang, der ein Teil des großen Geröllbands bildet. Was ich hier immer einfach kurz als "Geröllband" bezeichne, ist in Wirklichkeit ein meist begrünter, aber oft ziemlich stark geneigter Geröllabsatz in der sonst felsigen Südflanke des Verbindungsgrats. Wie oben und noch genauer auf diesem Foto zu sehen ist, ist schon nach wenigen Metern auf dem anfangs sehr abschüssigen Band die nächste unangenehme Stelle zu bewältigen: Bei der Einbuchtung vor dem folgenden südlichen Seitensporn des Verbindungsgrats verengt sich das Band stark und führt ohne jedes stabilisierende Graspolster durch steiles Felsgelände. Nachdem ich beim ersten Anblick dieser Stelle schon fast geglaubt hatte, den Abstieg durch die Rinne umsonst gemacht zu haben, stellte es sich dann doch als nicht schwieriger oder besser unangenehmer als die Rinne selbst heraus. Allerdings ist dieser erste Teil des Geröllbands der deutlich anspruchsvollere. Zum Gipfel der Östlichen Roßkarspitze hin wird der Übergang fast durchgehend leichter, und zwar nicht nur, weil man sich immer mehr an das Gelände gewöhnt. Nach dieser Stelle wird das Band wieder breiter, grüner und besser zu begehen. Der weitere Routenverlauf sieht nun so aus, daß das Band immer abwechselnd um eine der Seitenrippen herumführt und dahinter wieder näher an den Grat heran, wobei entweder eine Geröllrinne überquert werden muß oder man in eine der Gratscharten gelangt. Die erste Seitenrippe ist nach der Verengung des Bandes, die hier sozusagen die Rolle der Geröllrinne unterhalb der ersten Gratscharte einnimmt, schnell erreicht. Von dort aus bietet sich ein erster interessanter Rückblick auf die Westliche Roßkarspitze, wobei ich insbesondere feststellte, mit meiner Einschätzung der (Un-)Möglichkeit, vom Gipfel über die erste Einschartung im Verbindungsgrat direkt zum Band abzusteigen, ziemlich richtig lag. |
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| Rückblick zur Westlichen Roßkarspitze Etwas links von der Bildmitte beginnt in der kleinen Grateinschartung die Abstiegsrinne mit einer kurzen Graszunge | ||
| Der folgende Abschnitt von der Rippe zurück zum Hauptgrat ist schon nun schon etwas angenehmer als das Vorhergehende, allerdings ist die Steilheit des hier eher schon einen Hang bildenden Bands immer noch relativ groß. Die eigentliche Fortsetzung des Bands um die nächste Seitenrippe herum beginnt einige Meter unterhalb der Grateinschartung, die auf dem Foto unten zu sehen ist. In diesem Bereich wäre wieder eine Überquerung einer sehr steilen Geröllpassage notwendig, so daß ich eher die Variante empfehlen würde, die ich am Gipfel der westlichen Spitze von der Gemse abgeschaut hatte. Sie hatte nämlich das darübergelegene schmalere, aber weniger geneigte und dadurch sicherere Band benutzt, das direkt in der Scharte beginnt. Sein Anfangspunkt, also die Gratscharte, ist auch besser zu erreichen als die Fortsetzung des Hauptbandes, weil das Geröll aufgrund einiger Grasbüschel hier besser zu queren ist (siehe dazu dieses Foto vom Rückblick auf den Hang im Bereich vor und bei der Scharte). Und nicht zuletzt ist man einige Meter mehr von dem darunterliegenden Felsabbruch entfernt... |
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| Die Grateinschartung nach dem ersten Seitensporn und die folgenden Bänder | ||
| Da das von der Gemse und mir benutzte Band von einem tief eingeschnittenen Kamin in zwei Hälften geteilt wird (siehe Foto oben), wäre ich von alleine sicher nicht darauf gekommen, hier weiterzugehen. Die Gemse hatte den Spalt mit einem Satz überquert, bei mir reichte dann auch ein größerer Schritt. Der Kamin und das Band sind auch auf dem Bild "Verbindungsgrat zur Östlichen Roßkarspitze" weiter oben ziemlich genau in Bildmitte gut zu sehen. Hinter der nächsten Rippe ist der Abstieg zum großen Band kein Problem (was vorher nicht unbedingt klar war). Beim Rückweg läuft man dagegen leicht an dieser Abzweigung vorbei, weil vor dem Erreichen der Rippe (von der anderen Seite aus) dann eine scharfe Rechtswendung notwendig ist, um den Beginn des schmalen Bands zu erreichen. Außerdem sollte man darauf achten, nicht versehentlich das zwei bis drei Meter darüber gelegene Band zu erwischen, das wahrscheinlich schwerer zu begehen ist. Natürlich könnte man auch das Hauptband benutzen, sicherer und wegen des Spalts auch interessanter ist aber die andere Variante. |
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| Ein weiterer Rückblick zur Westlichen Roßkarspitze... | ||
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| ...und der Weiterweg zur Östlichen Roßkarspitze (dazu noch ein größeres Foto vom Blick auf den Gipfelbereich) | ||
| Hinter der auf dem Band erreichten Rippe öffnet sich nun der Blick auf weitere kleinere Seitengrate, die alle auf dem jetzt fast durchgehend begrünten Band "umrundet" werden. Vorsicht ist in dem relativ steilen Gelände zwar immer noch nötig, die Schwierigkeit (nicht im klettertechnischen Sinn, sondern im Hinblick auf die Anforderungen an die Trittsicherheit) nimmt aber immer mehr ab. Besonders interessant sind in diesem Abschnitt die Türme des Hauptgrats und sonstigen verwitterten Felsformationen, wie es sie in den Allgäuer Alpen fast nur in diesem Bereich der Roßzahngruppe gibt. Die Südflanken der Roßkarspitzen sind dabei wohl fast schon einmalig verwittert und von unzähligen Rinnen zerfurcht. Da der Weiterweg über das Band nun nicht mehr zu verfehlen ist, hier nur noch einige Fotos von diesem Abschnitt der Tour: |
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| Rückblick auf eine der Seitenrippen des Hauptgrats, dahinter die Hornbachkette | ||
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| Der letzte Abschnitt beim Übergang zwischen den beiden Roßkarspitzen Das begrünte Geröllband wird hier immer breiter und ist dazu weniger geneigt als im ersten Teil | ||
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| Rückblick auf einen der Grattürme, die vom Großen Roßkar aus gesehen wegen ihrer steilen Nordwände besonders auffallen | ||
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| Blick durch die folgende Gratscharte auf den Großen Roßzahn | ||
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| Der nächste, quaderförmige Gratturm. Auf beiden Seiten reicht das große Geröllband bis zu den Gratscharten herauf. | ||
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| Felsnadel in der Südflanke kurz vor dem Gipfel der Östlichen Roßkarspitze Interessant ist auch das exponiert stehende Felsentor auf dem Seitengrat rechts im Bild | ||
| Das lange Band, das den bisherigen Übergang von der Westlichen Roßkarspitze aus ermöglicht hat, endet schließlich als breiter Hang unterhalb vom Gipfel der Östlichen Roßkarspitze. Der noch verbleibende Gipfelaufstieg aus der letzten Gratscharte sah für mich von der Westlichen Roßkarspitze mit bloßem Auge zuerst schwierig aus, mit dem Fernglas dann schon nicht mehr so problematisch und jetzt vor Ort stellte er sich sogar als vergleichsweise leicht heraus. Über nicht allzu steiles Geröll geht es etwas rechts vom Grat ohne Probleme zur Gipfelfläche. Der Grund für die Täuschung war, daß ein schattiger Streifen wie eine Felsstufe ausgesehen hatte. |
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| Die Stallkarspitze von der Östlichen Roßkarspitze | ||
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| Blick zur Westlichen Roßkarspitze Gut zu verfolgen ist auf diesem Bild der erste Teil des Übergangs mit dem Abstieg durch die steile Rinne | ||
| Neben der Aussicht auf die benachbarten Gipfel (hier noch ein Blick zum Kleinen Roßzahn) ist besonders der Tiefblick über die Südflanke ins Hornbachtal interessant. Noch besser ist dieser Tiefblick von einem Vorsprung aus, der dem Ostgipfel nach Süden vorgelagert ist. Man erreicht ihn durch Überspringen (ein großer Schritt müßte eigentlich auch reichen) einer kleinen Kluft im Grat dorthin (hier ein Foto von diesem Spalt). Die Lücke zwischen diesem Vorsprung und dem folgenden großen Felsblock, der auf dem Foto unten zu sehen ist, ist dann aber schon deutlich zu groß, um auch diesen noch erreichen zu können... |
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| Blick über die Südflanke auf das Hornbachtal | ||
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| Hinterhornbach und oberes Hornbachtal | ||
| Den Gipfelaufenthalt beendete ich schon bald wieder, weil von Westen her wie schon erwähnt immer mehr Wolken aufzogen und einige Gipfel im Bereich des Allgäuer Hauptkamms schon eingehüllt hatten. Die Roßzahngruppe liegt in solchen Fällen zwar ziemlich günstig, weil bei der üblichen Westströmung alle Wolken zunächst einmal am wesentlich höheren Hochvogel hängenbleiben. Trotzdem wollte ich einige Passagen beim Rückweg bis ins Roßkarbachtal definitiv lieber nebelfrei zurücklegen und war deshalb lieber etwas zu vorsichtig, als möglicherweise unangenehm überrascht zu werden. Beim Rückweg kamen mir nun die meisten Stellen auf dem Geröllband unproblematischer vor als bei der ersten Überquerung. Neben der Gewöhnung an das Gelände war der Grund dafür sicher, daß ich die Route nun schon kannte und auch nicht mehr nach jeder Ecke befürchten mußte, auf unüberwindliche Schwierigkeiten zu stoßen. Bei einem der ersten Grattürme nach dem Gipfel der Östlichen Roßkarspitze zweigt, sozusagen als einziges Gegenstück zu den zahlreichen Rippen im Süden, ein Seitengrat in Richtung Großes Roßkar ab. Er bildet die einzige Unterbrechung der sonst hohen und steilen Nordwände der Roßkarspitzen, nur aus einer der folgenden Scharten zieht noch einmal eine Geröllrinne zum Kar herunter. Sie könnte eventuell eine weitere Route ohne schwierige Kletterei auf die Östliche Roßkarspitze darstellen, scheint aber von einer steileren Stufe unterbrochen zu sein. Außerdem ist sie auch sonst schon sehr steil; ich habe ein paar Schritte abzusteigen versucht und war letztlich froh, als ich wieder zurück in der Gratscharte war. Der Übergang von der Westlichen Roßkarspitze her dürfte also in jedem Fall die leichteste und empfehlenwerteste Aufstiegsroute zur Östlichen Roßkarspitze sein. Eigentlich schade, denn sonst hätte ich mir den schwierigeren Teil des Übergangs sparen können... So bin ich dann genau dieselbe Route über das Geröllband zurückgegangen bis unterhalb vom Gipfel der Westlichen Roßkarspitze. Dort überlegte ich noch kurz, ob es nicht doch eine bessere Alternative zum Aufstieg durch die steile Rinne gibt. Die Variante mit dem Direktaufstieg zum Gipfel über die Grateinschartung sah auch von unten definitiv schwieriger aus. Daher verfolgte ich das schlechter werdende Band noch bis zur nächsten Rippe, um die Möglichkeit mit der Querung bis zum Südwestgrat genauer zu untersuchen. Als ich an der Rippe aber feststellte, daß noch mindestens drei weitere davon auf dem Band zu queren wären, gab ich dieses Vorhaben auf. Der Weg auf dem Geröllband würde bei dieser Variante noch einmal deutlich verlängert, und ganz allgemein wird das Band immer unangenehmer zu begehen, je weiter man nach Westen kommt. Dies zeigt neben dem Foto unten auch noch einmal dieses Bild von der Geröllquerung unterhalb der letzten Scharte vor der Westlichen Roßkarspitze. |
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| Das große Band, aufgenommen in nördlicher Richtung im Bereich vom unteren Ende der Steilrinne | ||
| Mit einem letzten Blick hinüber zur Östlichen Roßkarspitze machte ich mich dann an den Wiederaufstieg durch die steile Geröll- und Schrofenrinne, wobei mir auch dieses Mal wieder die extreme Brüchigkeit des gesteins unangenehm auffiel. Am oberen Ende der Rinne angekommen stieg ich nicht noch einmal zum nahen Gipfel der westlichen Spitze auf, sondern gleich auf meinem Anstiegsweg zum oberen Teil der Westflanke ab. |
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| Blick vom oberen Südwestgrat auf den nördlichen Teil der Abstiegsflanke zur Roßkarscharte | ||
| Beim Abstieg zur Roßkarscharte benutzte ich wieder genau denselben Weg wie beim Aufstieg, wobei es kein Problem war, den Routenverlauf wiederzufinden. Bei Nebel könnte das schon schwieriger sein, weil die Flanke ziemlich breit und gleichförmig ist. Den Durchstiegspunkt am felsigen Querriegel muß man aber unbedingt wieder genauso wählen, weil es ansonsten keine leichte Alternative zu geben scheint. Hier noch ein Foto vom Hang unterhalb des Querriegels mit Blick zur Roßkarscharte. Später gilt es wieder die große Rinne der Westflanke zu überqueren und zuletzt die kurze Rinne durch die letzte Felsstufe über der Scharte wiederzufinden. Dies ist kein Problem, wenn man im letzten Abschnitt nach der Rinnenquerung zum Hauptgrat hinübergeht und dort bis kurz vor der Roßkarscharte bleibt. So ist der Eintrittspunkt in die Abstiegsrinne kaum zu verfehlen, man muß nur immer etwas nach links schauen. |
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| Der Jochumkopf über der Roßkarscharte, gesehen von etwa der halben Höhe der Abstiegsflanke aus | ||
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| Die Gratfortsetzung über der Roßkarscharte in Richtung Jochumkopf, aufgenommen vom Eintrittspunkt in die kurze Rinne über der Scharte | ||
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| Blick von oben in die Rinne durch den Felsriegel über der Roßkarscharte Hier noch ein weiteres Foto vom unteren Ende der geröllgefüllten Rinne, wo sie senkrechte Begrenzungswände hat | ||
| Da es noch relativ früh war und ich bei meiner Roßzahn-Tour keine guten Erfahrungen mit dem Abstieg über den üblichen Weg ins untere Roßkarbachtal gemacht hatte, probierte ich beim weiteren Abstieg nach der Roßkarscharte diesmal eine andere Variante aus. Vom Westteil des Großen Roßkars, den ich bei dieser Gelegenheit auch noch gleich genauer kennenlernen konnte, zieht nämlich ein schmaler Geröllhang bis fast zum Roßkarbach herunter und bietet sich dadurch als Abstiegsmöglichkeit an. Deshalb hielt ich mich beim Abstieg über das Geröll unterhalb der Roßkarscharte eher rechts, um ein Stück über dem Karboden unter dem Ausläufer des von den Grattürmen der Roßkarspitzen herabkommenden Seitengrats hindurch den "Hennenwinkel", also die westlichste Ausbuchtung des Großen Roßkars, zu erreichen. Dabei hatte ich noch einmal einen schönen Blick nach oben zu den steilen Türmen im Verbindungsgrat der Roßkarspitzen (links hinten auf dem Bild der Gipfel der Östlichen Roßkarspitze). Die anderen Gipfel rund um das Kar wurden jetzt immer mehr von Wolken eingehüllt (hier ein Bild vom dunkel erscheinenden Jochumkopf), und es sah stark nach einem baldigen Regenschauer aus. Zum Glück blieb es dann aber doch für den gesamten Rest der Tour trocken. |
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| Rückblick von der Querung zum Hennenwinkel aus auf den Jochumkopf | ||
| Die von mir gewählte Abstiegsvariante stellte sich als sehr lohnend heraus, da die Gratumrahmung des Hennenwinkels diejenige mit den meisten kleinen Türmen im Bereich des Großen Roßkars ist (was durchaus etwas heißen will). Jedenfalls lohnt sich der Abstecher, falls er überhaupt ein Umweg sein sollte, allein schon wegen des Blicks auf den Ostgrat der Östlichen Roßkarspitze und den Grat des "Haarigen Rückens". Der unterste Karboden wird von einer kleinen, ganz ebenen Grasfläche gebildet, zu der man nun zweckmäßigerweise absteigt. |
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| Im Hennenwinkel mit Blick auf seine südliche Felsumrahmung Dazu noch ein Rückblick von weiter unten auf das Gebiet des Hennenwinkels mit einem Teil des Haarigen Rückens und den Roßkarspitzen | ||
| Beim weiteren Abstieg hält man sich immer rechts der Latschenzone und gelangt so in den letzten Auslauf des Kars, wo man auf eine bemooste Rinne trifft (in der AV-Karte ist hier eine Quelle eingezeichnet, was zu früherer Jahreszeit oder nach Regen sicher auch zutreffend ist). Die Rinne geht später in einen teils gerölligen, teil grasbewachsenen Hang über, der einen bequemen Abstieg zwischen den auf beiden Seiten befindlichen Latschen ermöglicht. Am unteren Ende des Hangs muß man nur einmal kurz durch Latschen steigen, dann kommt von links der beim Aufstieg benutzte Pfad herab. Auf den wenigen Metern bis zu ihm gibt es sogar eine schwache Trittspur. Ich würde diese Abstiegsvariante auf jeden Fall empfehlen, denn die richtige Route ist dabei meiner Meinung nach sogar leichter zu finden als beim üblichen Abstieg und durch den zusätzlichen Besuch des Hennenwinkels ist sie natürlich auch interessanter. Auf dem deutlichen Pfad geht es nun noch ein Stück weiter bergab zum unteren, flachen Teil des Roßkarbachtals und seinen breiten Geröllflächen (hier ein Blick über den Geröllstrom talauswärts). |
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| Roßkarspitzen über dem Roßkarbachtal Am linken Ende der ebenen Karschwelle beginnt der Abstieg über den nur teilweise zu sehenden, schräg nach rechts herabziehenden Geröllhang | ||
| Über den etwas ermüdenden Geröllboden und die langen Fahrwege im Schwarzwassertal gelangte ich dann - diesmal leider ohne Mitfahrgelegenheit - zurück ins Lechtal und ab dem Radl-Parkplatz schließlich wesentlich bequemer zur Verbindungsstraße von Vorderhornbach und Stanzach. |