Durchs Hochalptal auf Hohes Licht (2651m) und Rotgundspitze (2485m)






Meistens wird das Hohe Licht zwar vom Oberstdorfer Raum aus bestiegen, der kürzeste Weg führt aber aus dem Lechtal durch das Hochalptal zum Gipfel. Der Ausgangspunkt für den Zustieg ins Hochalptal liegt bereits in einer Höhe von ca. 1200m an der Straße zwischen Steeg und Warth. Bei einem Holzschuppen wenige hundert Meter westlich der großen Lechbrücke, an dem Parkmöglichkeit besteht, zweigt ein gesperrter Fahrweg ab. Es handelt sich um das obere Ende der vor dem Bau der Lechbrücke benutzten Straßenführung. Nach einem halben Kilometer mit ein wenig Höhenverlust beginnt im Bereich der ersten Kehre der Straße der markierte Steig ins Hochalptal. Nach einem ersten Anstieg durch schönen Wald quert der Weg ein tief eingeschnittenes Seitental und führt, nun kaum noch ansteigend, an den Hängen des Biberkopfs ein gutes Stück oberhalb der Schlucht des Biberbachs talein. Wo sich der Talgrund schließlich verbreitert, folgt der Weg ein längeres Stück dem Bachverlauf bis zum Talschluß des eigentlichen Hochalptals. Während von rechts eine Bachschlucht aus dem Kessel der Oberen Hochalpe herabkommt, geht es geradeaus weiter ins Wieslekar, aus dem das Hohe Licht über den Normalweg erreicht werden kann und durch das später der Abstieg führt. Für den Aufstieg über den Südwestkamm gilt es nun aber zunächst, die Böden der oberen Hochalpe zu erreichen. Dazu folgt man dem Weg ins Wiesleskar noch gut 100 Höhenmeter über kurze Kehren hinauf, bis er sich wieder etwas weiter nach rechts wendet und an der Geländekante, hinter der nun der Bach verläuft, eine Pfadspur zu erkennen ist. Diese quert den schrofendurchsetzten Bereich direkt vor der Kante - es handelt sich um den untersten Ausläufer des später zum Anstieg benutzten Südwestkamms des Hohen Lichts - deutlich sichtbar an einer grasigen Stelle. Auch hinter der Kante ist der alte Pfad meistens noch erkennbar. Er führt ein wenig oberhalb des Bacheinschnitts zu den flachen Grasmatten bei der Oberen Hochalpe empor. Die auf der gegenüberliegenden Seite des Bachs gelegene alte Alphütte wird nicht mehr genutzt und ist im Verfallen begriffen, an einem kleinen Hügel dahinter steht allerdings eine neuere Jagdhütte ("Trudihütte").
Auf der Alpfläche der Oberen Hochalpe, hinten das Hohe Licht
 
Auf der Alpfläche der Oberen Hochalpe, hinten das Hohe Licht
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Der weitere Anstieg ist nun bis knapp unter dem Gipfel des Hohen Lichts weglos. Zuerst geht es über teils flache, teils mäßig steile Grashänge weit hinauf zum unteren Ende des kleinen Hochkars südlich unter dem Gipfelaufbau des Hohen Lichts. Aus dem ganz kleinen Karboden ist es nun möglich, nach links zu einer breiten grasigen Einsattelung im ansonsten auf dieser Seite meist schrofigen Südwestkamm aufzusteigen. Über leicht gerölldurchsetztes Grasgelände ist der Sattel mit schönem Ausblick auf die gegenüber von Wieslekar und Hochalptal aufragenden Rappenalpen schnell geschafft. Ebenso beeindruckend zeigt sich wie schon während des gesamten Aufstiegs der den Hochalpkessel abschließende Hochalpgrat über einem eigenartig gebänderten, unwegsamen Steilgelände. Auch der weitere Verlauf des Gipfelanstiegs zum Hohen Licht läßt sich von hier bereits grob überblicken: Man hält sich zunächst an den Kamm, wobei sich schrofige Stellen immer problemlos umgehen lassen, und trifft dann auf die geröllige Gipfelabdachung.
Der Aufstieg über den Südwestkamm
 
Der Aufstieg über den Südwestkamm
 
Über Gras steigt man zunächst an einen ersten schrofigen Abschnitt des breiten Kamms heran, dem man über das Geröll auf der linken Seite ausweichen kann. Die Zeichnung des Kamms in der AV-Karte ist etwas ungenau; der Kamm ist weniger felsig als es auf der Karte erscheint und bildet auch keine ausgeprägte Kante. Statt dessen sind die Seitenflanken des Kamms oft relativ flach und geröllbedeckt, so daß man auch die weiteren vereinzelten Felsen am Kamm einfach auf einer der beiden Gratseiten umgehen kann.
Blick vom Südwestkamm auf den Hochalpgrat und zum Wilden Kasten
 
Blick vom Südwestkamm auf den Hochalpgrat und zum Wilden Kasten
 
Schließlich erreicht man die breite Geröllabdachung, die oberhalb einer hohen Felsstufe den oberen Teil der Südflanke bildet. Über das von kurzen Schrofenpassagen unterbrochene Geröllgelände (Foto) ist nun ein fast beliebiger Aufstieg möglich. Bei Auswahl der leichtesten Route gibt es keine klettertechnischen Schwierigkeiten, allerdings ist etwas Trittsicherheit trotz des nicht besonders steilen Geländes wünschenswert. Da der gesamte weglose Aufstieg ab der Oberen Hochalpe und insbesondere der Geröllabschnitt schon etwas mühsam sind, empfiehlt es sich allerdings, eher links zu bleiben, wo man am frühesten auf den Normalweg trifft, der aus der Westflanke heraufkommt und einen doch deutlich bequemeren Aufsteig über die letzten Höhenmeter zum Gipfel ermöglicht.
Die Aussicht vom Hohen Licht als dem zweithöchsten Gipfel der Allgäuer Alpen ist natürlich in alle Richtungen sehr umfassend und lohnt eine Besteigung dieses Gipfel bei guter Sicht in jedem Fall. Neben dem Blick zu den Gipfeln der Zentralalpen und dem Überblick über fast alle Bereiche der Allgäuer Alpen ist auch die nähere Umgebung interessant: Im Nordosten stehen in geringer Entfernung die Gipfel des Heilbronner Wegs im alpinsten Teil des Allgäuer Hauptkamms, und im Süden und Südosten bilden die dunklen Nordabstürze der Peischelgruppe einen schönen Kontrast zu den Wiesenböden des Schochenalptals.
Blick über den Vorgipfel auf die Berge des Heilbronner Wegs, Hochvogel und Krottenkopf
 
Blick über den Vorgipfel auf die Berge des Heilbronner Wegs, Hochvogel und Krottenkopf
 
Peischelspitze und Ellbogner Spitz über dem Hochalpgrat
 
Peischelspitze und Ellbogner Spitz über dem Hochalpgrat
 
Schafalpen und Gottesackergebiet; davor Rappenseekopf, Hochgundspitze und Große Steinscharte
 
Schafalpen und Gottesackergebiet; davor Rappenseekopf, Hochgundspitze und Große Steinscharte
 
Der Abstieg über den Normalweg ist auf den ersten Metern identisch mit der Anstiegsroute, überschreitet dann allerdings den Südwestkamm und wendet sich in die Westflanke. Unter normalen Verhältnissen stellt dieser Weg aufgrund der Drahtseilsicherungen an allen schwierigeren Stellen geringere Anforderungen als der Aufstieg über den Südwestkamm; bei meiner Tour Mitte Oktober war allerdings die dünne Schneeauflage in der schattigen Flanke hart gefroren und oberflächlich vereist, dazu gab es an einigen Stellen blankes Wassereis. In diesem Fall ist der Steig nicht gerade angenehm zu begehen und sollte im Normalfall gemieden werden. Dies gilt insbesondere, da der Weg duch sehr steiles Gelände führt und an den bei Vereisung besonders kritischen Stellen keine Sicherungen zur Verfügung stehen. Für mich war der Abstieg gerade noch möglich, weil wegen der geringen Schneemenge gerade noch genug Steine aus der extrem glatten Schneedecke herausschauten. Zu der ursprünglich geplanten Fortsetzung der Tour in Richtung Steinschartenkopf / Wilder Mann, wobei die vereiste Flanke noch weiter hätte gequert werden müssen, hatte ich dann allerdings keine Lust mehr und entschied mich statt dessen für die Besteigung der Rotgundspitze.
 
Abstieg zu den Bändern in der Westflanke
Weiteres Foto: Dieselbe Stelle von unten aus gesehen

 
Der Abstieg durch die Westflanke führt über eine breite Geröll- und Schrofenrampe zum Beginn eines langen Bands hinab, auf dem die Flanke nun leicht fallend gequert wird. So nähert man sich den Geröllhängen über dem obersten Boden des Wieslekar, von denen man aber noch durch eine steile Felsstufe getrennt ist. Bei der Wegverzweigung (rechts geht es zur Kleinen Steinscharte und zum Heilbronner Weg) hält man sich links auf dem unteren, fallenden Band. Dieses endet kurz darauf bei einem Einschnitt, durch den es nun mit etwas Kletterei, die aber durch ein Drahtseil erleichtert ist, einige Meter hinab zu einem Absatz geht.
Seilgesicherte Stelle am Normalweg des Hohen Lichts
 
Seilgesicherte Stelle am Normalweg des Hohen Lichts
Weiteres Bild: Die Abstiegsroute durch die Felsstufe (von rechts oben kommend) aus dem Wieslekar gesehen

 
Nun verläuft der Weg wieder ein kurzes Stück über Schrofen und Geröll in der bisherigen Abstiegsrichtung, wodurch er die Hänge unter den Felsen erreicht. Über Geröll ist der in den Winkel zwischen Steinschartenkopf, Wildem Mann und Rotgundspitze eingelagerte Karboden nun schnell erreicht. Nach seiner Durchquerung kann man vor der Besteigung der Rotgundspitze noch zum Standort des Wilden Männles aufsteigen. Die Grathöhe ist sowohl links als auch rechts von den Überresten des im Jahr 1962 eingestürtzen Felsturms ohne Probleme erreichbar. Am angemehmsten ist der Anstieg rechts, wo eine Graszunge zum Grat nahe am Beginn des felsigen Westgrats des Wilden Manns hinaufreicht.
Rotgundspitze mit dem Ostrücken rechts
 
Rotgundspitze mit dem Ostrücken rechts
 
Die südwestlichen Rappenalpen mit Biberkopf, Rappenseekopf und Hochgundspitze über der Großen Steinscharte
 
Die südwestlichen Rappenalpen mit Biberkopf, Rappenseekopf und Hochgundspitze über der Großen Steinscharte
 
Auf der Kammhöhe schaut man auf der gegenüberliegenden Seite unmittelbar in den steilflankigen Talschluß des Bacherlochs hinab. Zusammen mit der kontrastreichen Bergumrahmung - links die Grasflanken des Linkerskopf-Nordgrats, rechts die Felsgipfel des Allgäuer Hauptkamms - sorgt dieser Ausblick dafür, daß sich der Abstecher auf jeden Fall lohnt. Vom Wilden Männle selbst sind nur noch der Sockel und einige Felsblöcke übrig. Aus der Spitze des Trümmerhaufens ragt außerdem noch das ehemalige Gipfelkreuz.
Blick über den Linkerskopf-Nordgrat ins Stillachtal
 
Blick über den Linkerskopf-Nordgrat ins Stillachtal
 
Die Reste des Wilden Männle, dahinter die Felsen des Wilden Manns
 
Die Reste des Wilden Männle, dahinter die Felsen des Wilden Manns
 
Auf der Wieslekar-Seite kann man fast ohne Höhenverlust vom Grat östlich des Wilden Männles auf dessen Westseite gelangen. Von der tiefsten Scharte im Verbindungsgrat von Wildem Mann und Rotgundspitze, wo der Aufstieg zur Rotgundspitze über den Osrücken beginnt, ist man hier allerdings noch durch einen felsigen, zerborstenen Gratabschnitt getrennt. Auch er wird auf der Südseite umgangen. Wenige Höhenmeter nach der Scharte ist dann gleich am Beginn des Ostrückens eine niedrige Felsstufe zu überwinden, die im unteren zweiten Schwierigkeitsgrad liegt und damit die schwierigste Stelle des Anstiegs bildet. Diese Passage kann vermieden werden, wenn man den Aufstieg nicht an der Scharte beginnt, sondern in den Geröll- und Grashängen über dem Wieslekar den kurzen ersten Felsabschnitt des Grats umgeht und erst dann über Gras zur Grathöhe ansteigt.
 
Ostrücken der Rotgundspitze mit dem ersten felsigen Abschnitt über der Scharte (direkt links davon die Alternativroute)
Weiteres Foto: Steinbock in den Felsen am Gratbeginn

 
Rückblick nach der ersten Gratstufe auf Wildes Männle und Wilden Mann
 
Rückblick nach der ersten Gratstufe auf Wildes Männle und Wilden Mann
 
Nun folgt ein nur langsam ansteigender Gratabschnitt in einfachem Gelände, bevor der Rücken in Gipfelnähe wieder schrofiger wird und am schmaler werdenden Grat noch einmal einige Kletterstellen folgen (Foto), die allerdings ebenfalls nicht besonders schwierig sind (I). Insgesamt ist der Anstieg zur Rotgundspitze eine sehr lohnende Gipfelbesteigung - auch bei einer Begehung des Heilbronner Wegs - sowohl was den Aufstieg selbst als auch was die Aussicht betrifft, die außergewöhnlich interessant ist: Über das Bacherloch auf die Mädelegabelgruppe, auf die Hochfläche der Rappenseehütte mit den Rappenseen und den Rappenalpen als Umrahmung und nicht zuletzt auf die gerade durchquerte Flanke des Hohen Lichts.
Mädelegabel, Hochfrottspitze und Bockkarkopf
 
Mädelegabel, Hochfrottspitze und Bockkarkopf
 
Hohes Licht mit dem Normalanstieg, der vom Karboden links unten zum Südwestkamm rechts hinaufführt
 
Hohes Licht mit dem Normalanstieg, der vom Karboden links unten zum Südwestkamm rechts hinaufführt; links die Kleine Steinscharte
 
Linkerskopf mit West- und Südostgrat
 
Linkerskopf mit West- und Südostgrat
 
Rappenseekopf, Hochrappenkopf, Rappenköpfle und hinten der Biberkopf über dem Rappensee
 
Rappenseekopf, Hochrappenkopf, Rappenköpfle und hinten der Biberkopf über dem Rappensee
 
Blick über das Rappenalptal auf die Schafalpen, links unten die Rappenseehütte
 
Blick über das Rappenalptal auf die Schafalpen, links unten die Rappenseehütte
 
Der Gipfel der Rotgundspitze ist zwar ein Platz, an dem man stundenlang sitzen bleiben könnte, allerdings muß man auch an den relativ langen Rückweg durch das gesamte Hochalptal denken. Dabei ist es beim Abstieg am Ostrücken der Rotgundspitze am sinnvollsten, die oben erwähnte Alternativroute zu wählen und über den vor der letzten Gratschulter (über dem unteren felsigen Abschnitt) in Richtung Kar hinabführenden schmalen Grashang abzusteigen. Zu dieser Graszunge kann man auch schon vom Beginn des flachen mittleren Gratteils her in der Wieslekar-Flanke absteigend hinüberqueren. Am Ende des kurzen Grashangs erreicht man über das etwas steilere Geröll links nach wenigen Metern einen bequemeren Geröllhang, der nun ohne Unterbrechung ins Kar führt. Auf der Graszunge sowie beim Abstieg ins Kar finden sich auch Pfadspuren.
Das Hohe Licht aus dem Karboden gesehen
 
Das Hohe Licht aus dem Karboden gesehen
Weiteres Foto: Rückblick zum Grat zwischen Rotgundspitze und Wildem Mann mit dem Schartenbereich und dem Wilden Männle

 
Man erreicht schließlich den Weg Rappenseehütte - Hohes Licht/Kleine Steinscharte ganz in der Nähe der Stelle, an der von ihm der Weg ins Hochalptal abzweigt. Dieser führt zunächst über eine Stufe in den unteren Karboden des Wieslekars hinab, der in einen sehr schönen Grasboden in etwa 2000 Metern Höhe übergeht.
Blick über den grünen Boden unterhalb des Wieslekars in die Lechtaler Alpen
 
Blick über den grünen Boden unterhalb des Wieslekars in die Lechtaler Alpen
 
Es folgt wieder ein steilerer Abstieg bis ins eigentliche Hochalptal, während dem man auch wieder auf die Anstiegsroute trifft.
Ellbogner Spitz über dem Gebiet der Oberen Hochalpe
 
Ellbogner Spitz über dem Gebiet der Oberen Hochalpe
 
Abstieg durch den lichten Wald im unteren Abschnitt des Hochalptals mit dem Pimig-Kamm (Lechtaler Alpen) im Hintergrund
 
Abstieg durch den lichten Wald im unteren Abschnitt des Hochalptals mit dem Pimig-Kamm (Lechtaler Alpen) im Hintergrund
 
Das Hochalptal ist als eines der wenigen Täler in den Allgäuer Alpen nicht durch einen Fahrweg erschlossen und noch dazu führt der Steig im unteren Teil durch sehr schönen Wald, so daß auch dieser Teil der Tour noch interessant ist. Am Ausgangspunkt kann man noch einmal einen Blick auf das Hohe Licht werfen, das von hier aus zu sehen ist. Entsprechend seinem Namen ist dieser Gipfel auch derjenige Punkt in der Umgebung, an dem sich die Abendsonne am längsten hält.
Der Gipfel des Hohen Lichts im Abendlicht; links der oberste Südwestkamm
 
Der Gipfel des Hohen Lichts im Abendlicht; links der oberste Südwestkamm
 



Mehr zu den bestiegenen Gipfeln auf den einzelnen Gipfelseiten:

Hohes Licht  /  Rotgundspitze


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