Über den Gleitweg auf Zeiger (1994m) und Kleinen Seekopf (2095m)



Eine Tourenbeschreibung von: Bernhard (13 Jahre zum Zeitpunkt der Tour)




Gegen 7 Uhr ging es endlich mit den Rädern los ins Oytal, doch schon beim ersten Anstieg nach Kühberg schmerzten die Muskeln von der gestrigen Tour. Trotzdem wurde auch dieser Anstieg bewältigt, und so fuhren wir weiter. Kurz hinter dem Oytalhaus richtete gerade ein Alpwirt (wahrscheinlich von der Gutenalpe) ein Flußbett eines winzigen Rinnsals, welches über die Straße verlief. Noch dachten wir uns nichts, und fuhren noch etwa 200m weiter, um den Beginn des Gleitwegs zu suchen. Also sperrten wir unsere Räder ab und gingen zum unteren Ende des Wasserfalls, wo er in der alten Karte noch eingezeichnet ist. Doch wir sahen weit und breit keine Spur vom einem Weg. So vertrödelten wir sinnlos etwa eine halbe Stunde, bis wir auf den Gedanken kamen, hinter der nächsten Bergnase zu schauen. Und tatsächlich geht da der Weg seit neuestem los. (Nachtrag vom August 2004: Inzwischen ist die alte Route, die noch vor dem Seealpengündlestobel von der Oytal-Fahrstraße abzweigt, wieder hergerichtet und neu markiert worden, so daß die Einzeichnung in den Karten wieder stimmt.) Da wir soviel Zeit verloren hatten, kamen jetzt schon die ersten Wanderer, die hinter uns auch den Gleitweg hochgingen. Mit schnellen Schritten stiegen wir los, und bestaunten die Einblicke in die berüchtigten Seewände, welche man wohl von nirgends aus besser betrachten kann als vom Gleitweg (außer man ist selber in ihnen drin, was ich allerdings nicht empfehlen würde!!!). Nach ein paar schwierigeren Passagen (teilweise ist der Weg glatt und mit Drahtseilen gesichert), hatten wir auch die Wanderer hinter uns abgehängt, welche fast eine Stunde für eine Stelle gebraucht hatten.
Blick vom Mäxles Egg zum wolkenverhangenen Seeköpfl über dem Seealpsee
 
Blick vom Mäxles Egg zum wolkenverhangenen Seeköpfl über dem Seealpsee
 
Nach einem kurzen Abstecher (5 Meter) zum Aussichtspunkt Mäxles Egg, entschlossen wir uns, nicht zum Seealpsee abzusteigen, obwohl es bestimmt interessant gewesen wäre. Langsam kamen uns die ersten Wanderer entgegen, die sich faul mit der Nebelhornbahn haben hochfahren lassen, und uns nun fragten, ob der Gleitweg leicht zu gehen sei. Manche von ihnen hatten sogar nur Turnschuhe an. Manchmal denkt man sich wirklich, was solche Leute überhaupt in den Bergen zu suchen haben. Wir strebten als nächstes den Zeiger an. Also stiegen wir zuerst in den Sattel zwischen Zeiger und Hüttenkopf (Zeigersattel), um von dort aus den direkten Weg auf die höchste Spitze zu nehmen. Auf dem Gipfel machten wir erstmals ausgiebig Pause, und schauten nach dem günstigsten Weg, um auf den Großen Seekopf zu gelangen. Für heute entschieden wir uns aber für den Kleinen Seekopf, und so setzten wir unsere Tour fort und stiegen wieder zum Laufbacher-Eck-Weg ab, um auf diesem um die beiden Seeköpfe herum in die Scharte zwischen Schochen und Kleinem Seekopf zu gelangen.
Der Große Seekopf vom Zeiger
 
Der Große Seekopf vom Zeiger
 
Der Weg war nicht gerade sehr gepflegt und an manchen Stellen sogar abgerutscht. In der Scharte angelangt, war es nur noch ein Katzensprung auf den Gipfel, da die Gemsenspuren uns den Weg dorthin deutlich machten. Doch nun rätselten wir, ob der Kleine Seekopf wirklich größer ist als der Große Seekopf, weil es wirklich nicht so aussah. Aber vielleicht hat es auch nur getäuscht. Als nächstes wollten wir trotz des einsetzenden Nebels den Schochen anpacken, und so gingen wir wieder auf den Laufbacher-Eck-Weg zurück, um nach einer auch bei nassen Verhältnissen guten Aufstiegsmöglichkeit zu suchen. Es fing nämlich auch langsam an, etwas zu regnen, und wir machten uns darüber lustig, daß der Weg wie Schmierseife ist. Vor uns gingen Eltern mit ihren zwei Töchtern, und in dem Moment als wir sie überholten, hörten wir, wie sie meinten, wie "schmierseifig" der Weg doch ist. Außerdem sagten sie zu ihren Kindern, daß sie nicht so schnell gehen sollen (obwohl wir noch schneller waren ;) ). Da der Weg an einer Stelle abgerutscht war, und dazu auch noch immer schmierseifiger wurde, beschlossen wir, lieber umzukehren. Jetzt kam uns die Familie wieder entgegen, die uns ganz erstaunt anschaute, da sie dachten, daß wir genauso wie sie zum Prinz-Luitpold-Haus gehen wollten. Also fragten sie uns, ob der Weg nicht weitergehen würde, oder ob es zu schwierig sei. Daraufhin erklärten wir ihnen, daß wir gar nicht zum Prinz-Luitpold-Haus wollten, aber der Weg trotzdem nicht gut zu gehen wäre. Also beschlossen sie, sich das alles selber nochmal anzuschauen und verabschiedeten sich von uns. Auf dem Rückweg wollten wir den Aufstieg auf den Schochen doch noch mal versuchen, und stiegen an einer Stelle einfach über steiles Gras-Fels-Gebiet empor in Richtung Gipfel. Jedoch nach ungefähr 20 Metern entschieden wir uns, doch lieber abzusteigen, da es wegen der Nässe, des Nebels und wegen der Steinschlaggefahr ein bißchen zu gefährlich wurde und es außerdem immer stärker anfing zu regnen.
Am Gipfel vom Kleinen Seekopf, hinten der Schochen
 
Am Gipfel vom Kleinen Seekopf, hinten der Schochen
 
Als wir gerade dabei waren abzusteigen, ging die Familie, die offensichtlich auch umgekehrt war, direkt unter uns auf dem Weg vorbei, und so mußten wir natürlich erstmal wegen der Steinschlaggefahr warten, bis sie endlich weg waren, doch das verzögerte sich, da die Mutter genau unter uns stehen blieb, um irgendwas aus ihrem Rucksack rauszuholen. Nachdem auch sie endlich weg war, machten wir uns zügig auf den Weg zur Nebelhornbahn-Bergstation, weil wir uns entschieden, lieber über den Fahrweg der Seealpe als über den Gleitweg abzusteigen, der bei diesem Wetter seinem Namen wohl alle Ehre gemacht hätte ;) . Obwohl wir ziemlich schnell vorangingen, haben wir die Familie danach nicht mehr gesehen. (Es war schon etwas verwunderlich, zuerst schimpfen sie ihre Kinder, weil sie zu schnell gehen, und dann hetzten sie selber bei diesen schmierseifigen Bedingungen. ;) ) Kurz vor der Bergstation machten wir auf einer Bank nochmal eine Pause, doch weil es immer stärker regnete, beendeten wir diese auch ziemlich schnell und stiegen auf der Fahrstraße zur Seealpe ab.
Bei einer Regenpause kurz vor der Seealpe
 
Bei einer Regenpause kurz vor der Seealpe
 
Da die Straße viel zu steil gebaut ist, schmerzten meine Kniegelenke schon nach einigen Metern. Deshalb machten wir ab der Seealpe immer öfter kleine Pausen, um unsere Knie etwas zu schonen. Trotzdem entschieden wir uns, unsere Räder gleich noch aus dem Oytal zu holen, anstatt dies am nächsten Tag zu machen. Schon vor Kühberg überraschte uns der erste große Regenschauer, welcher nach 5 Minuten aber zum Glück wieder beendet war. Auf dem weiteren Weg ließ der Regen ein wenig nach, und wir beschlossen (zum Glück, wie sich später herausstellen würde) weiterzujoggen. Doch auch dies hielten wir nicht allzu lange durch, und noch bevor wir an der Oytalallee waren, fing es dann so richtig an zu regnen. Obwohl wir unsere Capes anhatten, waren wir nach kürzester Zeit total durchnäßt und hunderte kleine Rinnsäle liefen schon die Strasse hinunter. Zum Spaß redete ich noch: "Innerhalb von Sekunden verwandeln sich Rinnsäle in reißende Sturzbäche." Als wir am Oytalhaus vorbeigingen, beobachteten uns ungefähr zehn Leute, die unter den Dächern des Oytalhauses Schutz suchten. Wir überlegten uns, was sie von uns denken müßten, warum wir um diese Zeit und bei diesem Wetter in Richtung Käseralpe gehen. Als wir über das kleine Rinnsal gingen, von welchem der Wirt am Morgen noch das "Flußbett" gerichtet hatte, war dessen Wasser schon braun. Da wir aber nichts ahnten, gingen wir gemütlich weiter zu unseren Rädern, die schon mindestens 20cm unter Wasser standen. Weil Rainer seinen Fahrradschlüssel noch aus dem Rucksack rausholen mußte, verschwendete er sinnlos einige Minuten. Als wir endlich losfuhren und uns dem "kleinen Rinnsal" näherten, erlebten wir unsere große Bescherung. Aus dem Rinnsal war innerhalb von wenigen Minuten ein reißender, brauner, etwa 2m breiter und ca. 35cm tiefer Fluß geworden, welcher in rasender Geschwindigkeit sogar Holztrümmer mitriß. Zuerst machte ich mich noch darüber lustig, aber nachdem ich den Ernst der Lage erkannt hatte, bekam ich plötzlich Angst und Panik. Doch wir mußten uns beeilen, da der "Bach" immer größer wurde. Also versuchte Rainer zuerst mit seinem Rad den Fluß zu überqueren, was fast schon unmöglich war, weil der Druck des Wassers, das sich an den Beinen aufstaute, so stark war, daß man sich kaum halten konnte. Doch Rainer schaffte es und kam wieder auf die andere Seite zurück, um mein Rad auch noch rüberzutragen. Es war nämlich nicht mehr möglich, das Rad durch den Fluß zu schieben. Gleichzeitig mußte ich noch rüber, und schaffte dies gerade noch mit einem gewagten Hechtsprung, nachdem ich zuerst aus Versehen auf mein Cape gestiegen und gestolpert war. Zum Glück war es aber nicht so gefährlich, weil der Fluß sich etwas weiter weg zu einem großen See aufgestaut hatte. Einige Tage später bemerkten wir auf einer abendlichen Radtour ins Oytal, daß wir den Fluß gar nicht hätten überqueren müssen, sondern stattdessen auf einem Damm, welcher hinter ein paar Bäumen versteckt liegt, gemütlich die Brücke über den Oybach erreicht hätten und so auch dem Wildbach entkommen wären. Nun mußten wir nach diesem Schock auch noch pitschnaß nach Oberstdorf fahren, und da es vom Fahrtwind überall eiskalt wurde, wäre ich beinahe erfroren. Als wir endlich angekommen waren, mußten wir erstmal unsere Räder vom Schlamm befreien, genauso wie unsere mit Wasser gefüllten Bergschuhe, die mindestens 3 Kilo wogen, und unsere Hosen, die auch absolut verdreckt waren. Mit diesem weniger schönen Ereignis ging diese Tour zum Glück unversehrt zu Ende.



Mehr zu den bestiegenen Gipfeln auf den einzelnen Gipfelseiten:

Zeiger  /  Kleiner Seekopf


zur Tourenübersicht