Häselgehrberg (2209m)

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Der Hausberg von Häselgehr ist einer der wenigen höheren Gipfel der Allgäuer Alpen, die schon relativ früh im Jahr auf schneefreien Routen bestiegen werden können. Das liegt an seinen nach Süden und Südwesten gerichteten Grashängen, die ziemlich steil sind und daher im Frühjahr durch Lawinen und direkte Sonneneinstrahlung schnell "geräumt" werden. Auf den ersten Blick ist dies bereits an den Lawinenschutzbauten sichtbar, die den gesamten Süd- und Südosthang bis knapp unter dem Gipfel sichern sollen. Der lange Ostgrat sorgt dafür, daß dieser Hang sehr breit ist und das Lechtal so auf einer Länge von mehreren Kilometern nördlich begrenzt. Mit dem Hauptkamm der Hornbachkette (Noppenspitze) ist der Häselgehrberg ebenfalls durch einen langgezogenen Grat verbunden, der etwas oberhalb des Luxnacher Sattels vom Enzensperger Weg überquert wird. Einen bequemen Zugang zum Gipfel stellt dieser Weg aber nicht dar, weil ein hoher Felsabbruch gleich südöstlich vom Sattel einen direkten Aufstieg über den sonst leichten Grat verhindert.
Besonders interessant am Häselgehrberg sind die deutlich erkennbaren schrägen Plattenlagen, aus denen das gesamte Massiv aufgebaut ist, sowie der Blick auf die nahen Hochgipfel der Hornbachkette. Gerade weil diese Gipfel noch einmal ein gutes Stück höher sind als der Häselgehrberg, ist der Blick auf die Felsberge der mittleren Hornbachkette hier besonders eindrucksvoll.

Gipfeldaten

 • Interessant besonders für: Bergsteiger
 • Charakter: Steilgrasgipfel
 • Andere Namen / Schreibweisen: • Heuberg
• Pfeiler (Bezeichnung für den obersten Gipfelaufbau, während "Heuberg" schon eher für den gesamten Berg, natürlich aber besonders für die Grasmähder über Häselgehr steht. Der Name "Häselgehrberg" dürfte daher letztlich die beste Bezeichnung für diesen Gipfel sein)
• Pfeilerspitze
 • Nachbargipfel: Noppenspitze (im Nordwesten gegenüber vom Luxnacher Sattel)
 • Übersichtskarte: • Hornbachkette Ost
• Lage des Gipfels auf der Gesamtübersichtskarte
 • Platz in der Höhenrangliste der Allgäuer Alpen: 116

Anstiege & Tourenbeschreibungen

 •  Aufstieg aus dem Lechtal über die Südwestflanke:
Der günstigste Ausgangspunkt für diese Tour ist der kleine Ort Köglen am Ausgang des Scheidbachtals. Wenn man hier keinen Parkplatz findet (zumindest bei meiner Tour war der in der AV-Karte eingezeichnete Parkplatz am Ortseingang abgesperrt), verlängert sich der notwendige Fußweg im Talbereich entsprechend. Es ist dann z.B. möglich, auf der Nebenstraße bis zum Ortsbeginn von Elbigenalp weiterzufahren und dann den einen Kilometer nach Köglen wieder zurückzugehen. Von dort aus geht es zunächst zu dem Fahrweg, der östlich von einem Wall kurz am Scheidbach entlangführt und sich dann nach links wendet. Ca. 150m nach dieser Kurve zweigt ein Steig nach rechts ab, der mit einem roten Holzpfeil an einem Baum einige Meter über der Fahrstraße markiert ist. Nach kurzem Aufstieg trifft er auf eine Forststraße, die sich genau an dieser Stelle verzweigt. Man wählt die Fortsetzung, die nach links oben führt, und erreicht so sehr bald die Fortsetzung des Pfads, die wieder mit einem roten Pfeil markiert ist. Schon nach kurzer Zeit kommt man wieder zu einer Wegverzweigung, diesmal mit einem Wegweiser. Hier geht es nach rechts zu dem mit "Dorfblick" bezeichneten Punkt, wo der Fußweg im Bereich des Scheidbachtals an einer in etwa 1250m Höhe quer verlaufenden Forststraße endet. Die Angabe "ca. 50 Minuten" bis zu dieser Stelle ist zum Glück entweder als Scherz oder für extrem langsame Wanderer gedacht, jedenfalls braucht man vom Wegweiser aus bei zügigem Gehtempo nur ungefähr ein Viertel dieser Zeit.
Ab dem Dorfblick folgt man nun der sehr breiten, offensichtlich für ziemlich schwere Fahrzeuge ausgelegten Schotterpiste nach rechts. Nach der Überquerung des Scheidbachtals wendet sie sich nach Osten in die Südflanke vom Häselgehrberg (nicht auf dem kleineren Fahrweg im Talboden weitergehen!). Durch die Kehren der Straße ist das eigentlich sehr schöne Waldgebiet am "Hummelreiser Boden", durch das der Aufstieg nun führt, natürlich schon stark in Mitleidenschaft gezogen. Daß ich hier auch noch auf ein offensichtlich schon älteres Schild mit einem Betretungsverbot getroffen bin, kommentiere ich an dieser Stelle mal nicht weiter. Als Grund waren irgendwelche Bau- oder Forstarbeiten angeführt, von denen aber nirgendwo etwas zu sehen war. Statt dessen scheint es an manchen Tagen einen regen PKW-Verkehr zu der kleinen ebenen Fläche in etwa 1700m Höhe zu geben, wo die Straße endet.
Für den Anstieg über die Südwestflanke ist es allerdings nicht sinnvoll, bis dorthin weiterzugehen, da die Steigung der Straße am Ende stark abnimmt und sie sich von der Südwestflanke weiter entfernt. Auch im unteren Abschnitt könnte die Straße zumindest beim Aufstieg gerne etwas steiler sein; hier ist es bei manchen Kehren möglich, sie auf einem auf einem alten, steileren Ziehweg abzukürzen. Für den weiteren Aufstieg verläßt man die Straße am besten bei der letzten Rechtskehre in etwas mehr als 1650m Höhe, oder auch schon bei der vorletzten (ca. 1550m im Bereich der obersten Bäume), wodurch sich allerdings der weglose Abschnitt über die Grashänge der Südwestflanke noch etwas verlängert.
In der nach oben hin steiler werdenden Südwestflanke fällt zunächst eine einzelne geröllgefüllte Rinne auf, die den gesamten Hang bis zu seinem Abbruch ins Scheidbachtal durchzieht. Von dem relativ flachen Bereich bei der obersten Kehre der Straße aus ist es entweder möglich, sich sofort stark links zu halten und nach der Überquerung der Rinne immer links von ihr zu bleiben, oder man steigt zuerst noch über den anfangs weniger steilen Hang rechts von der Rinne an. Nach etwa 100 Höhenmetern sollte man die Rinne aber spätestens bei einer zwischenzeitlich flacheren Stelle des Hangs nach links überqueren, da die Überschreitung an den steileren Hangabschnitten nicht problemlos möglich ist und man am Beginn des steilen Gipfelaufbaus in jedem Fall links von der Rinne sein muß. Da der ca. 500 Höhenmeter lange Anstieg über das steile Gras am Ende ziemlich anstrengend wird, lohnt sich definitiv ein früher Aufbruch zu der Tour, weil die Südwestflanke dann noch komplett im Schatten liegt (die genaue Zeit ist natürlich stark von der Jahreszeit abhängig).
Etwa 150 Höhenmeter unter dem Gipfel wird der Grashang noch einmal merklich steiler, so daß hier der anspruchsvollste Teil des Aufstiegs zurückzulegen ist. Die Neigung im steilsten Stück (=150 bis 100 Höhenmeter unter dem Gipfel) liegt etwa bei 40-45 Grad. Die Schwierigkeit liegt damit im ersten Grad, selbst wenn es mit Hilfe von Stöcken noch möglich ist, die Passage ohne (direkte) Zuhilfenahme der Hände zu bewältigen. Die beste "Technik" - Hände/Stöcke/Steigeisen) ist aber sicher stark von den Verhältnissen abhängig. Besonders bei langem, saftigen und evtl. noch dazu nassen Gras geht es bestimmt nicht ohne Hände. Wer steile Grashänge nicht mag, sollte den Häselgehrberg sowieso besser nicht besteigen. Wenn man sich den Aufstieg zutraut, hält man sich am besten zuerst etwas links vom Südsporn des Gipfels, der die Grenze zur Felswand auf der Südostseite bildet. Nachdem das steilste Stück überwunden ist, kann man auch einmal direkt vom Sporn aus einen Blick auf diesen Felsabbruch werfen. Über den allmählich wieder flacher werdenden Hang kommt man schließlich fast direkt am Gipfel aus.
 •  Abstiegsvariante über den obersten Ostgrat und die Südflanke:
Interessanter und abwechslungsreicher als der Abstieg über dieselbe Route ist es, den besonders steilen Gipfelhang der Südwestflanke zu vermeiden und über den Ostgrat und die Lawinenverbauungen in der Südflanke auszuweichen. Der Ostgrat ist im Gipfelbereich meist felsig und ziemlich schmal. Es sind dabei einige Kletterstellen im ersten Schwierigkeitsgrad zu überwinden, allerdings sind die meisten Stellen leichter als es auf den ersten Blick aussieht. Teilweise gibt es auch deutliche Begehungsspuren. Die Route bleibt immer unmittelbar im Gratbereich, da sich sowohl auf der Südseite wie auch auf der Nordseite über dem Haglertal zunächst steile Felsabbrüche befinden. Die Aussicht über das Haglertal auf die Gipfel der Hornbachkette ist dabei vom Ostgrat aus fast noch etwas schöner als vom Gipfel.
Der Grat sinkt bis zu seinem Ende eineinhalb Kilometer weiter im Osten im allgemeinen nur sehr langsam ab und wird nach dem unmittelbaren Gipfelbereich auch leichter zu begehen. Für den Rückweg nach Köglen ist es aber am sinnvollsten, ihn schon bald in Richtung Südflanke zu verlassen. Dazu steigt man bis hinter das letzte zu sehende schärfere, felsige Gratstück ab (kurz danach folgt eine kleine ebene Fläche). Von hier aus sind es nur wenige Meter über nicht allzu steiles Gras bis zur obersten Reihe der Lawinenschutzbauten in der Südostflanke. Diese Flanke quert man nun leicht absteigend in südwestliche Richtung, wobei es natürlich immer am angenehmsten ist, direkt über einer der Lawinenverbauungen zu gehen. Etwas unangenehmer sind die Zwischenräume, wo es keine Schutzbauten gibt. Eine geröllige Rinne gleich zu Beginn sollte man am besten möglichst bald queren. In diesem Bereich ist das Gelände am anspruchsvollsten, weil hier viele lose Steine auf relativ steilen Gras- und Erdhängen liegen. Das Gebiet dürfte durch die oberhalb befindliche Gipfelwand auch etwas steinschlaggefährdet sein, jedenfalls haben sich an den Lawinenverbauungen viele Steine angesammelt oder haben sich zwischen den Querstreben verklemmt. Durch Abstieg an den günstigsten Stellen erreicht man schließlich die unterste Reihe der Verbauungen und folgt dieser bis zu ihrem Ende, um einigen darunterliegenden steileren Abbrüchen auszuweichen. Auch danach ist es am wenigsten steil, wenn man sich weiterhin etwas rechts hält. Der Anschluß an die oben beschriebene Aufstiegsroute ist dann etwas oberhalb der letzten Kehre der Fahrstraße wieder hergestellt. Die relativ geringe Steigung der Straße ist beim Abstieg ganz angenehm, nur die erste sehr weit ausholende Kehre kürzt man besser über den Wiesenhang ab.

Fotos


Häselgehrberg von Westen, rechts das Ende der Straße in der Südflanke Häselgehrberg von Westen, rechts das Ende der Straße in der Südflanke
Nordwestgrat mit dem Abbruch über dem Luxnacher Sattel, rechts die Südwestflanke Nordwestgrat mit dem Abbruch über dem Luxnacher Sattel, rechts die Südwestflanke
Blick vom Nordgrat des Südlichen Söllerkopfs auf den Häselgehrberg vor den Lechtaler Alpen Blick vom Nordgrat des Südlichen Söllerkopfs auf den Häselgehrberg vor den Lechtaler Alpen
Der östliche Gipfelgrat mit den obersten Lawinenschutzbauten auf der sehr steilen Südseite Der östliche Gipfelgrat mit den obersten Lawinenschutzbauten auf der sehr steilen Südseite
Häselgehrberg aus dem Lechtal (Südwesten), links der Gratabbruch über dem Luxnacher Sattel Häselgehrberg aus dem Lechtal (Südwesten), links der Gratabbruch über dem Luxnacher Sattel
Der Gipfel über dem flachen oberen Teil vom Westgrat Der Gipfel über dem flachen oberen Teil vom Westgrat
Im steilen Abschnitt der Südwestflanke unter dem Gipfel Im steilen Abschnitt der Südwestflanke unter dem Gipfel, links der Blick in Richtung Allgäuer, rechts in Richtung Lechtaler Alpen Im steilen Abschnitt der Südwestflanke unter dem Gipfel
Häselgehrberg von Süden, links die Südwestflanke, rechts der Ostgrat Häselgehrberg von Süden, links die Südwestflanke, rechts der Ostgrat
Luxnacher Sattel und Häselgehrberg von Westen Luxnacher Sattel und Häselgehrberg von Westen
Abstiegsroute am schmalen Ostgrat Abstiegsroute am schmalen Ostgrat, links vom Gipfel aus gesehen, rechts kurz vor dem Ende des scharfen Gratabschnitts Abstieg am schmalen Ostgrat
Häselgehrberg (hinten) von Nordosten, auffallend der Gratabbruch am Luxnacher Sattel ganz rechts Häselgehrberg (hinten) von Nordosten, auffallend der Gratabbruch am Luxnacher Sattel ganz rechts
Blick von Süden zum Gipfel und auf die Querungsmöglichkeit vom Ostgrat durch die Lawinenverbauungen nach Südwesten Blick von Süden zum Gipfel und auf die Querungsmöglichkeit vom Ostgrat durch die Lawinenverbauungen nach Südwesten
Querung durch die Lawinenverbauungen der Südflanke unter dem Gipfelbereich, hinten Rotwand und Südlicher Söllerkopf Querung durch die Lawinenverbauungen der Südflanke unter dem Gipfelbereich, hinten Rotwand und Südlicher Söllerkopf
Blick vom westlichen Gipfelgrat über die Südwestflanke auf die Straße zur Ebene südlich des Gipfels Blick vom westlichen Gipfelgrat über die Südwestflanke auf die Straße zur Ebene südlich des Gipfels
Häselgehrberg mit der breiten Südflanke über dem Lechtal Häselgehrberg mit der breiten Südflanke über dem Lechtal
Blick vom westlichen Gipfelgrat zum Luxnacher Sattel (rechts) Blick vom westlichen Gipfelgrat zum Luxnacher Sattel (rechts)
Gipfel über dem obersten Ostgrat Zwei Bilder vom schmalen Gipfel über dem obersten Ostgrat Gipfel über dem obersten Ostgrat
Der westliche Gipfelgrat mit der obersten Südwestflanke Der westliche Gipfelgrat mit der obersten Südwestflanke
Gipfelbereich von Süden, links die Anstiegsroute über die Südwestflanke Gipfelbereich von Süden, links die Anstiegsroute über die Südwestflanke
Rückblick beim Aufstieg über die Südwestflanke ins Lechtal mit Köglen und Elbigenalp Rückblick beim Aufstieg über die Südwestflanke ins Lechtal mit Köglen und Elbigenalp
Weitere Fotos zu diesem Gipfel gibt es möglicherweise noch auf der alten Fotoseite für die gesamte Hornbachkette. Die Bilder auf dieser Seite werden nicht mehr auf die Fotoseiten der einzelnen Gipfel einsortiert, da sie keine Digital-Qualität haben. Einige könnten aber trotzdem interessant sein. Am schnellsten findet man die passenden Fotos auf der nicht geordneten Seite mit der Suchfunktion des Browsers.
Fotos von den Nachbargipfeln: Noppenspitze


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