Wettersteingebirge


Haberlenz, Hoher Kamm und Hochwanner

Leutasch-Klamm - Gaistal - Steinernes Hüttl - Haberlenz (2263m) - Wannigjöchl - Hoher Kamm (2375m) - Hochfelder - Hochwanner (2744m) - Kotbachkar - Predigtstein (2234m) - Rotmoosalm - Tillfussalm - Gaistal - Leutasch-Klamm




Von Leutasch-Klamm aus erreicht man den Wegweisern zum Gaistal folgend die gebührenpflichtigen Salzbach-Parkplätze, wobei das Kassieren bereits bei der Zufahrt ein gutes Stück vor dem hintersten Parkplatz erfolgt. Im linken Teil dieses Parkplatzes beginnt der nun gesperrte Fahrweg ins Gaistal. Da der Aufstieg zum Steinernen Hüttl unter dem Haberlenz erst fast fünf Kilometer taleinwärts vom Fahrweg abzweigt, bietet sich für den ersten Abschnitt der Tour eine Radl-Benutzung an. Der Weg steigt zunächst am Hang nördlich über der Leutascher Ache an, um dann in den breiten Talboden abzusinken. Immer in der Nähe des Flusses geht es nun wieder mäßig bergauf. Die Gaistalalm bleibt noch rechts oberhalb, kurz danach folgt man aber der kurzen Stichstraße, die nach rechts zu einer Jagdhütte und der Tillfußalm abzweigt. Bereits ein Stück vor der Alm beginnt links der Steig zum Steinernen Hüttl, der keine Schwierigkeiten oder Orientierungsprobleme bereitet. Im oberen Teil wird dabei zeitweise bereits der Blick auf die interessanten Südhänge des Hohen Kamms frei, die durch Graslehnen und rot gefärbte Felsschichten neben Mergelgelände auffallend bunt sind. Daneben beeindrucken während des Aufstiegs im Süden die hohen Felswände der östlichen Mieminger Kette.
Die bunte Südflanke des Hohen Kamms
 
Die bunte Südflanke des Hohen Kamms
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Beim Steinernen Hüttl: Haberlenz und Wannigjöchl (ganz rechts)
 
Beim Steinernen Hüttl: Haberlenz und Wannigjöchl (ganz rechts); der Aufstieg zum Grassattel am Haberlenz verläuft links der Bildmitte
 
Das Steinerne Hüttl liegt etwa 600 Höhenmeter über dem Talboden auf den Osthängen des Haberlenz (auch Haberlehnkopf genannt), der sich wiederum unmittelbar südöstlich des Wannigjöchls (Kothbachsattel) erhebt. Da für die folgende Überschreitung des Hohen Kamms das Wannigjöchl als Ausgangspunkt dient, folgt man vom Steinernen Hüttl dem Weg nach Westen, der über das Wannigjöchl zum Feldernjöchl führt. Es bietet sich aber an, statt dem direkten Aufstieg zum Wannigjöchl eine Überschreitung des Haberlenz' in die Tour einzubeziehen. Dazu steuert man die grasige Einsattelung im Südostgrat links des felsigen Gipfelbereichs an. Am besten und wenigsten steil ist der Grassattel etwas nach links ausholend zu erreichen. Nachdem dieser Anstieg geschafft ist, öffnet sich erstmals der Blick auf die westlichen Gipfel von Wetterstein und Mieminger Kette.
Mieminger Kette vom Hochplattig bis zur Sonnenspitze
 
Mieminger Kette vom Hochplattig bis zur Sonnenspitze
 
Hochwand in der Mieminger Kette
 
Hochwand in der Mieminger Kette
 
Für den Aufstieg zum Haberlenz wechselt man nun auf die Grashänge auf der Südwestseite des schrofigen Grats, von denen aus die Grathöhe in Gipfelnähe über etwas steileres Gelände, aber unschwierig wieder erreicht werden kann. Schöner ist es, schon vorher zur Grathöhe aufzusteigen und den Gipfel über die einfachen Gratschrofen (teils I) zu erreichen.
Aufgrund der Lage vor dem Wetterstein-Hauptkamm ist der Haberlenz ein guter Aussichtspunkt für den Blick auf die Südseite des Hauptkamms, aber über das Gatterl hinweg auch auf das Zugspitzplatt. Außerdem bietet sich bereits ein instruktiver Einblick in die Gipfelflanke des Hochwanners, über die später der Anstieg zu diesem Gipfel führt.
Auf dem Haberlenz: Aussicht auf die Umrahmung des Zugspitzplatts
 
Auf dem Haberlenz: Aussicht auf die Umrahmung des Zugspitzplatts
 
Hoher Kamm und Kleinwanner
 
Hoher Kamm und Kleinwanner
 
Blick über das Gaistal zur Mieminger Kette mit Hochwand und Hochplattig
 
Blick über das Gaistal zur Mieminger Kette mit Hochwand und Hochplattig
 
Hochwanner mit der Aufstiegsflanke; rechts das letzte kleine Gipfelziel der Tour, der Predigtstein
 
Hochwanner mit der Aufstiegsflanke; rechts das letzte kleine Gipfelziel der Tour, der Predigtstein
 
Beim Abstieg nach Nordwesten zum Wannigjöchl verhält es sich ähnlich wie beim Aufstieg: Es besteht die Wahl zwischen den mäßig geneigten Hängen links des Grats und der Überkletterung der Grathöhe. Dabei kann die unmittelbare Grathöhe fast durchgehend beibehalten werden, ohne dass die Schwierigkeit über I hinausgehen würde. Ggf. ist auch weiter unten noch ein Ausweichen nach links möglich.
Rückblick kurz nach dem Wannigjöchl auf den Haberlenz
 
Rückblick kurz nach dem Wannigjöchl auf den Haberlenz
 
Am Wannigjöchl beginnt der Anstieg zum Hohen Kamm zunächst als Grasrücken, weiter oben weicht das Gras immer mehr kahlem Mergelschutt-Gelände. Der Anstieg wird aber an keiner Stelle schwierig. Interessant ist dabei immer wieder der Blick über die tiefen Erosionsrinnen der Südflanke hinweg. Aufgrund des Gesteins fällt der Hohe Kamm im Vergleich zu den Nachbargipfeln ganz aus dem Rahmen, was ihn trotz der geringen Schartenhöhe zum Kleinwanner hin zu einem besuchenswerten Gipfelziel macht. Der wieder grasigere Gipfelkamm bietet sich für eine aussichtsreiche Pause geradezu an.
Kleinwanner und Hochwanner über dem Ostgrat des Hohen Kamms
 
Kleinwanner und Hochwanner über dem Ostgrat des Hohen Kamms
 
Für den Weiterweg zum Hochwanner gilt es nun zunächst, südlich unter dem Kleinen Wanner hindurch über die "Hochfelder" zu dem Rücken zu queren, der vom Mitterjöchl aus bergwärts zieht. Zuerst muss der allmählich nach Nordosten umbiegende Grat in Richtung Kleinem Wanner noch bis über seine tiefste Einsenkung hinaus verfolgt werden, um nicht in unangenehmem Gelände die letzten Erosionsrinnen unter dem Hohen Kamm queren zu müssen. Schließlich ist es ein Stück vor dem felsigen Steilaufschwung des Grats aber problemlos möglich, den Grat nach Osten zu verlassen.
Die Nordostseite des Hohen Kamms gleicht teilweise einer Mondlandschaft - im Hintergrund der Schneefernerkopf
 
Die Nordostseite des Hohen Kamms gleicht teilweise einer Mondlandschaft - im Hintergrund der Schneefernerkopf
 
Nun besteht die Wahl zwischen einer Querung im Geröll mit weniger Höhenverlust und einem schrägen Abstieg über bequeme Grashänge in einen kleinen Karboden. Letztere dürfte insgesamt die schnellere Variante sein. Man trifft dann im weiteren Verlauf der Querung mit etwas Glück auf eine Trittspur, die das Vorankommen im zweiten Teil der Geröllfelder erleichtert. Zuletzt steigt man wieder an und trifft auf den vom Mitterjöchl heraufkommenden Rücken. Hier finden sich teilweise auch wieder Steigspuren und im weiteren Verlauf einige Steinmänner.
Der Predigtstein ist dem Hauptgrat südlich vorgelagert; im Hintergrund das Inntal
 
Der Predigtstein ist dem Hauptgrat südlich vorgelagert; im Hintergrund das Inntal
 
Der Anstieg zum Hochwanner verläuft oben über die schon vom Haberlenz aus gut einsehbaren, von vereinzelten Schrofen durchsetzten Geröllhänge der Südwestflanke. Diese sind nach unten hin durch eine Fels- und Schrofenstufe gesperrt, die es also zunächst zu überwinden gilt. Dies ist theoretisch an verschiedenen Stellen möglich. Am einfachsten ist folgender Durchstieg: Wo sich der vom Mitterjöchl kommende Rücken noch unterhalb der Stufe allmählich verläuft bzw. in schwächer ausgeprägte Rücken aufteilt, steigt man rechts an einem felsigen Aufschwung vorbei weiter auf. Der Aufschwung leitet einen kleinen Geländerücken ein, der weiter oben wieder geröllig wird und dann einfach zu begehen ist. Dieser Rücken stößt schließlich etwas links der Falllinie der Geröllflanke an die Felsen unterhalb des Verbindungsgrats von Kleinem Wanner und Hochwanner. Genau hier beginnt eine mäßig steigend schräg nach rechts verlaufende einfache Durchstiegsmöglichkeit über Geröll- und Schrofentritte, bei der für Geübte keine Kletterei notwendig ist (Foto). Im weiteren Verlauf weiten sich die Gerölltritte zu größeren Gerölleinlagerungen aus, und man gelangt weiterhin leicht ansteigend nach rechts querend zur großen Geröllflanke des Hochwanners. Alternativ ist der Felsdurchstieg auch weiter rechts mit etwas einfacher Kletterei (I) möglich, etwa im Bereich einer Rinne, zu der in Anstiegsrichtung einige Steinmänner leiten.
Nach dem Durchstieg durch die steilere Stufe: Blick auf den weiteren Gipfelanstieg
 
Nach dem Durchstieg durch die steilere Stufe: Blick auf den weiteren Gipfelanstieg
 
Am Beginn der Geröllflanke bildet sich eine deutliche Trittspur aus, die quer durch die Flanke zum unteren Ende einer idealen Abfahrtspiste im Geröll führt - in Aufstiegsrichtung wird es ab hier im steilen Geröll allerdings etwas mühsam. Auf der folgenden Strecke finden sich kaum noch Trittspuren. Am besten ist es, nicht direkt auf den Gipfel zu aufzusteigen, sondern etwas rechtshaltend, um den Rücken zu erreichen, der die Geröllflanke rechts begrenzt. Ab hier wird der Aufstieg wieder etwas angenehmer und auf der restlichen Strecke zum Gipfel über Geröll und einzelne (umgehbare) Schrofenstufen sind auch wieder einige Trittspuren vorhanden. Die Aufstiegsmühe wird am Gipfel schließlich mit einem perfekten Blick auf das Reintal und dessen gesamte Umrahmung belohnt. Aufgrund der Höhe des Hochwanners überblickt man auch gut den Gratverlauf über den Hinterreintalschrofen und die östlich folgenden Gipfel bis zu den Dreitorspitzen (Foto).
Talschluss des Reintals mit dem Platt
 
Talschluss des Reintals mit dem Platt
 
Jubiläumsgrat mit Zugspitze, Hochblassen und Alpspitze
 
Jubiläumsgrat mit Zugspitze, Hochblassen und Alpspitze
Weiteres Bild: Fortsetzung des Kamms zu Hohem Gaif und Stuibenkopf
 
Hohe Munde über dem Predigtstein
 
Hohe Munde über dem Predigtstein
 
Der Abstieg vom Hochwanner ist wesentlich schneller absolviert als der Aufstieg, da an vielen Stellen ein Abfahren im Geröll möglich ist. Nach dem Herausqueren aus der Geröllflanke gelangt man auf dem Anstiegsweg wieder zum Rücken über dem Mitterjöchl, dem man nun bis zum Jöchl abwärts folgt. Das Mitterjöchl wird vom Verbindungsweg Steinernes Hüttl - Rotmoosalm überquert. Um zur Abwechslung eine andere Route als beim Aufstieg zu benutzen, bietet sich für den Abstieg der Weg über die Rotmoosalm an. Dieser hat zudem den Vorteil, dass noch ein Abstecher auf den Predigtstein möglich ist.
Erosionslandschaft mit den Rinnen und Rippen des Hohen Kamms
 
Erosionslandschaft mit den Rinnen und Rippen des Hohen Kamms
Weiteres Foto: Übersichtsbild mit Haberlenz und Hohem Kamm

 
Schräge Plattenschichten am Predigtstein
 
Schräge Plattenschichten am Predigtstein
 
Links unten beginnt der übliche Weg zum Predigtstein, alternativ kommt der Direktanstieg im Bereich der Gratkante in der Bildmitte in Frage
 
Links unten beginnt der übliche Weg zum Predigtstein, alternativ kommt der Direktanstieg im Bereich der Gratkante in der Bildmitte in Frage
 
Quer durch das Kotbachkar, zuletzt dann wieder etwas ansteigend ist der Sattel zwischen Hochwannermassiv und dem vorgelagerten Predigtstein (auch als Predigtstuhl oder Predigstuhl bezeichnet) bald erreicht. Von hier führt auf den Predigtstein ein markierter Weg, der sich etwas links unter dem felsigen Nordgrat hält. Die Begehung ist nicht schwierig, das Gelände allerdings ziemlich steil, so dass auch am Predigtstein etwas Trittsicherheit erforderlich ist. Wer die Tour noch mit einer schönen Klettereinlage abschließen möchte, kann allerdings auch eine andere Aufstiegsvariante im Bereich des Nordgrats wählen. Der Grat und der Bereich unmittelbar rechts von ihm werden von steilen Plattenkanten gebildet, zwischen denen sich wiederum tief eingeschnittene Schichtrinnen befinden. Diese ermöglichen den Anstieg, wenn auch die Schwierigkeit deutlich über die bisherigen Anforderungen der Tour hinausgeht. Nach dem Aufstieg zum Felsansatz geht es durch eine der Rinnen direkt rechts des Grats (ganz rechts würde das Gelände wieder geröllig und damit einfacher) steil hinauf zu einem flacheren Teil. Über diesem folgt der höchste felsige Aufschwung des Grats. Er kann in interessanter Kletterei in bis zu drei Metern über dem Grund der schmalen, tiefen Schichtrinne unmittelbar rechts der Gratkante emporstemmend bezwungen werden (II-III). Anschließend werden die Felsen wieder etwas leichter, auch wenn noch ein weiterer kleiner Aufschwung überwunden werden muss, bevor der Gipfel erreicht ist.
Blick vom vorgelagerten Predigtstein auf den Hauptgrat des Hochwannerkamms im weiteren Verlauf zu den Dreitorspitzen
 
Blick vom vorgelagerten Predigtstein auf den Hauptgrat des Hochwannerkamms im weiteren Verlauf zu den Dreitorspitzen
 
Für den Abstieg wird man nun in der Regel den markierten Weg östlich der Gratkante wählen und so über den Sattel schnell zur Rotmoosalm absteigen. Es gibt gemäß den Wanderkarten auch noch einen alternativen Steig, der erst noch kurz am OSO-Rücken des Predigtstein herabführt und dann etwas tiefer parallel zum ersten Weg in nördlicher Richtung den Weg zwischen dem Sattel und der Rotmoosalm erreicht. Da die Rotmoosalm durch einen Fahrweg erschlossen ist, gestaltet sich der weitere Abstieg recht bequem. Erst in mehreren Kehren, dann mit einer längeren Querung geht es östlich und südlich unter dem Predigtstein hindurch bis direkt oberhalb der Gaistalalm. Wo die Straße hier nach langem geraden Verlauf mit einer Linkskurve direkt auf die Alm zu führt, hält man sich weiter geradeaus über die Almwiese. Bald kommt man so zum Waldrand und zu einem Wegweiser. Ein Fußweg verläuft nun etwa auf gleicher Höhe durch den Wald zur Tillfußalm. Über deren Stichstraße und den Gaistal-Fahrweg geht es dann zu den Salzbach-Parkplätzen zurück. Wer nicht mit dem Fahrrad bis zum Fußweg zum Steinernen Hüttl gefahren ist, folgt natürlich schneller dem Abstiegsfahrweg direkt an der Gaistalalm vorbei in den Talboden, anstatt nochmals zur Tillfußalm zu gehen.
Nordabstürze der Hohen Munde und Kalkkögel (im Hintergrund)
 
Nordabstürze der Hohen Munde und Kalkkögel (im Hintergrund)
Weiteres Foto: Detailansicht der Kalkkögel in den Stubaier Alpen

 




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