Wettersteingebirge


Auf Große Ahrnspitze und Ahrnplattenspitze

Leutsch-Emmat - Hoher Sattel - Ahrnspitzhütte - Große Ahrnspitze (2195m) - Ahrnplattenspitze (2170m) - Weißlehnkopf - Ahrnkopf - Zwirchkopf - Leutasch-Emmat




Das Massiv der Ahrnspitzen bildet eine isoliert gelegene kleine Berggruppe zwischen Wettersteingebirge, Mieminger Kette und dem Karwendel. Orographisch gehören die Ahrnspitzen zwar zur Mieminger Kette, da der nächste größere Gipfel dieser Kette aber ziemlich weit entfernt ist, werden die Ahrnspitzen in der Regel aber zum Wettersteingebirge gezählt. Die freie Lage zwischen Mittenwald, Scharnitz, Seefeld und Leutasch ermöglicht natürlich schöne Ausblicke auf Karwendel und Wetterstein, so daß die Tour sehr lohnend ist.
Auf die Ahrnspitzen führen verschiedene Routen. Für die hier vorgestellte Rundtour ist der Beginn des Satteltals zwischen Leutasch-Ahrn und Leutasch-Emmat der günstigste Ausgangspunkt. Durch das Satteltal verläuft eine Forststraße in gleichmäßiger Steigung durch schönen Wald zum Hohen Sattel, mit dem die deutlich niedrigeren südlich gelegenen Waldkuppen an das Ahrnspitz-Massiv anschließen. Hier teilen sich die Wege: links führt ein markierter Steig zur Ahrnplattenspitze, für das erste Gipfelziel der Tour, die Große Ahrnspitze, hält man sich dagegen erst einige Meter später unterhalb einer Hütte halblinks, wo ein zunächst fast ebener Ziehweg beginnt. Dieser wird wenig später zu einem markierten Steig und führt nun mit mäßig steilem Anstieg quer durch den Südhang der Ahrnspitzen. Nachdem der Weg aus dem Wald getreten ist, folgt ein mit Latschen bewachsener Hangabschnitt, der immer wieder von Geröllströmen durchzogen ist. Auf dem ersten breiten Geröllfeld geht es dabei einige Meter auf feinem Schotter steil hinab, um eine plattige Felszone unterhalb zu umgehen.
Nach Umgehung der plattigen Felsen: Blick zurück mit der Hohen Munde im Hintergrund
 
Nach Umgehung der plattigen Felsen: Blick zurück mit der Hohen Munde im Hintergrund
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Im letzten Abschnitt der Querung wird der Steig steiler und führt nun teils auch in Kehren durch ein schrofendurchsetztes Geröll- und Grasgelände. Hier ist ein wenig Trittfestigkeit nötig, an wenigen Stellen muß man auch einmal die Hände benutzen (Beispielfoto), aber wirkliche Kletterstellen kommen nicht vor. Schließlich überschreitet man, nun wieder im Latschengelände, den Südostrücken der Großen Ahrnspitze und erreicht einige Meter absteigend die kaum mehr als eine Minute entfernt liegende Ahrnspitzhütte (eine sehr kleine Selbstversorgerhütte).
Kurz vor der Ahrnspitzhütte: Rechts die Gipfelfelsen von Mittlerer Ahrnspitze und Ahrnplattenspitze, im Hintergrund die Mieminger Kette
 
Kurz vor der Ahrnspitzhütte: Rechts die Gipfelfelsen von Mittlerer Ahrnspitze und Ahrnplattenspitze, im Hintergrund die Mieminger Kette
 
Links an der Hütte vorbei geht es nun zum Gipfelanstieg zur Großen Ahrnspitze. Wer den Aufstieg bis hier geschafft hat, für den sollte auch der restliche Weg zum höchsten Punkt kein Problem darstellen. Der Weg führt zuerst in den Sattel zwischen dem Gipfel und dem latschenbewachsenen Kopf oberhalb der Hütte und anschließend im Bereich des Südostrückens und links von ihm empor. Das Gelände ist hier ähnlich wie im Schlußteil des Anstiegs zum Südostrücken vor der Hütte. Eine kurze schrofige Rinne, die zu einem Gratabsatz hinauf führt, kann dabei leichter auf der rechten Seite umgangen werden. Anschließend ist der Gipfel mit perfektem Blick auf die Ostseite des Wettersteingebirges und das westliche Karwendel bald erreicht. Besonders schön ist dabei, daß man direkt auf den Beginn der drei großen westlichen Karwendeltäler gegenüber von Scharnitz schaut und dadurch alle vier Karwendelketten überblicken kann. Den Übergang zu dem deutlich niedrigeren nördlichen Vorgipfel, auf dem ein Kreuz steht, kann man sich eigentlich sparen, da sich im weiteren Verlauf der Tour noch schöne Ausblicke nach Norden auf das Isartal bis zum Walchenseegebiet bieten.
Östliches Wettersteingebirge mit Dreitorspitzen und Wettersteinwand über dem Leutaschtal
 
Östliches Wettersteingebirge mit Dreitorspitzen und Wettersteinwand über dem Leutaschtal
Weiteres Foto: Größere Ansicht der Gipfel von Schüsselkarspitze, Leutascher Dreitorspitze und Öfelekopf

 
Öfelekopf vor Leutascher und Partenkirchener Dreitorspitze
 
Öfelekopf vor Leutascher und Partenkirchener Dreitorspitze
 
Der Gratverlauf über die Mittlere Ahrnspitze zur Ahrnplattenspitze; dahinter u.a. Hohe Munde und Gehrenspitze
 
Der Gratverlauf über die Mittlere Ahrnspitze zur Ahrnplattenspitze; dahinter u.a. Hohe Munde und Gehrenspitze
 
Interessant, aber schwieriger als der bisherige Weg ist nun der Übergang zur Ahrnplattenspitze unter Umgehung der Mittleren Ahrnspitze. Zuerst geht es wieder einige Meter auf dem Anstiegsweg zurück bis zu der Stelle, wo er den Verbindungsgrat der Ahrnspitzen berührt (Wegweiser). Hier beginnt eine zunächst deutliche Trittspur, die im Gratbereich bleibt und im Prinzip bis zum Sattel vor der steil aufragenden Mittleren Ahrnspitze führt. Nach dem einfachen ersten Abschnitt muss man allerdings bald schon ziemlich aufpassen, die Spur nicht zu verlieren. Noch ist der Gratbereich aber auch weglos ganz gut begehbar. Im weiteren Verlauf folgen einige Kletterstellen im Schwierigkeitsgrad I-II und nicht überall ist der beste Weiterweg sofort ersichtlich. Im allgemeinen sollte man nach ungangbaren Gratstellen am besten möglichst bald wieder zur Grathöhe zurückkehren. Zwischen der Großen Ahrnspitze und der Mittleren Ahrnspitze gibt es noch eine weitere kleine Zwischenerhebung, die nach einem Abstieg über teils schrofiges Gelände in den Sattel vor ihr ebenfalls überschritten wird.
Auf dem Gratkopf zwischen Großer Ahrnspitze und Mittlerer Ahrnspitze mit Blick zur Ahrnplattenspitze
 
Auf dem Gratkopf zwischen Großer Ahrnspitze und Mittlerer Ahrnspitze mit Blick zur Ahrnplattenspitze
Weiteres Foto: Rückblick auf den Abstieg von der Großen Ahrnspitze

 
Beim Aufstieg zur Zwischenerhebung sind einige Latschen und felsige Stellen etwas hinderlich, beim Abstieg umgeht man den ziemlich steilen Felsgrat durch Rinnen auf der rechten Gratseite (I-II) und steht nun in der Scharte vor dem Aufschwung zur Mittleren Ahrnspitze. Deren Überkletterung sieht nicht ganz leicht aus; wesentlich einfacher und schneller ist es, den Gipfel auf einem Gamswechsel zu umgehen, der unterhalb des Felsansatzes durch die nördliche Bergflanke verläuft. Der Pfad ist sehr deutlich und ohne besondere Schwierigkeiten zu begehen.
Beginn des Umgehungspfads an der Scharte vor der Mittleren Ahrnspitze
 
Beginn des Umgehungspfads an der Scharte vor der Mittleren Ahrnspitze
 
Wo sich der Gamswechsel teilt - ein Pfad führt weiterhin abwärts, die obere Spur dagegen wieder in Richtung Grathöhe - wählt man den oberen Ast und steigt in wenigen Minuten zum Grat hinter der Mittleren Ahrnspitze an.
Der nun folgende Abschnitt ist bis kurz unter dem Gipfel der Ahrnplattenspitze wegen der vielen Latschen etwas mühsam. Meist ist die Grathöhe selbst am angenehmsten zu begehen; wo dies nicht möglich ist, gilt auch hier, daß man nach den unpassierbaren Stellen sobald wie möglich wieder zum Grat zurückkehren sollte.
Der Gipfelaufbau der Ahrnplattenspitze mit dem Latschengelände und der Gipfelplatte
 
Der Gipfelaufbau der Ahrnplattenspitze mit dem Latschengelände und der Gipfelplatte
Weiteres Bild: Größere Ansicht des plattigen Gipfelbereichs

 
Die umgangene Mittlere Ahrnspitze über ihrem Westgrat
 
Die umgangene Mittlere Ahrnspitze über ihrem Westgrat
 
Erst kurz unterhalb des felsigen Gipfelaufbaus der Ahrnplattenspitze mit ihrer großen, von vielen Einrissen durchzogenen Platte wird das Gelände wieder bequemer. Man bleibt nun am Grat, bis die Platte, die weiter links bereits etwas tiefer ansetzt, bis zur Grathöhe heranreicht. Hier ermöglicht ein in die Platte eingelagertes Band eine kurze Querung nach links bis in eine durch die Platte ziehende, vom Grat her gesehen noch verdeckte Rinne.
Am Beginn der kurzen Querung auf dem in die Gipfelplatte eingelagerten Band
 
Am Beginn der kurzen Querung auf dem in die Gipfelplatte eingelagerten Band
 
Querung auf dem Band zur noch nicht sichtbaren Rinne in der Gipfelplatte
 
Querung auf dem Band zur noch nicht sichtbaren Rinne in der Gipfelplatte
 
Aufstieg durch die Rinne
 
Aufstieg durch die Rinne
 
In der Rinne geht es in leichter Kletterei zu einem kleinen Absatz, über dem die Fortsetzung der Rinne durch eine kleine Stufe gesperrt ist. Der Aufschwung wird von einem dreieckigen Felsblock gebildet, der links und rechts jeweils durch tiefe Einrisse begrenzt wird. Klettertechnisch ist das die schwierigste Stelle des Aufstiegs (ganz kurz II im Bereich des linken Einrisses), aufgrund des Absatzes direkt unterhalb ist die Stelle aber dennoch als eher unproblematisch einzustufen.
Die niedrige Stufe über dem Absatz in der Rinne
 
Die niedrige Stufe über dem Absatz in der Rinne
 
Anschließend geht es leichter zum Ausstieg am Südgrat, den man wenige Schritte unterhalb des Gipfels erreicht.
Die Aussicht am Gipfel der Ahrnplattenspitze unterscheidet sich kaum von der Großen Ahrnspitze, nur der Blick auf die anderen Gipfel des Ahrnspitzstocks ist von dieser Seite aus weniger spektakulär. Näher gerückt sind die Gipfel des Wettersteins rund um Puiten- und Berglental, die man auch beim folgenden Abstieg noch ständig vor Augen hat, zumindest wenn man den Abstieg vom Sattel westlich der Ahrnplattenspitze nicht zum Hohen Sattel, sondern über den weiteren Kammverlauf zum Zwirchkopf und erst dann hinab zum Ausgang des Satteltals wählt. Dieser Weg wird seltener begangen, ist aber ebenfalls markiert und bereitet keinerlei Schwierigkeiten.
Blick über das Leutaschtal auf die Gipfel des Wettersteins: Leutascher Dreitorspitze über dem Leutascher Platt (ganz rechts) und Fortsetzung des Grats über die Schüsselkarspitze Richtung Hochwanner
 
Blick über das Leutaschtal auf die Gipfel des Wettersteins: Leutascher Dreitorspitze über dem Leutascher Platt (ganz rechts) und Fortsetzung des Grats über die Schüsselkarspitze Richtung Hochwanner
 
 
Tiefblick auf Scharnitz als Ausgangspunkt für die großen westlichen Karwendeltäler; darüber Karwendel-Hauptkamm und Gleiersch-Halltal-Kette
Weiteres Foto: Größere Ansicht der Gleiersch-Halltal-Kette mit dem Hohen Gleiersch im Vordergrund

 
Große Ahrnspitze vor den Bergen des Mittenwalder Höhenwegs
 
Große Ahrnspitze vor den Bergen des Mittenwalder Höhenwegs
 
Der beim Abstieg ins Leutaschtal benutzte Weg über die latschenbewachsenen Erhebungen westlich der Ahrnplattenspitze
 
Der beim Abstieg ins Leutaschtal benutzte Weg über die latschenbewachsenen Erhebungen westlich der Ahrnplattenspitze
 
Nicht ganz so einfach ist es dagegen, erst einmal vom Gipfel der Ahrnplattenspitze zum Sattel abzusteigen. Diese übliche An- und Abstiegsroute an der Ahrnplattenspitze liegt trotz der überdeutlichen Markierung und der zahlreichen Begehungen im oberen ersten Schwierigkeitsgrad. Der Fels am Gipfelaufbau ist auch an der Westseite ziemlich steil und es sind keine Sicherungen angebracht. Mit dem Ende der Gipfelfelsen ist dann auch das Ende der Schwierigkeiten der Tour erreicht.
Abstieg auf der überdeutlich markierten, aber nicht gesicherten Route durch die steilen Gipfelfelsen der Ahrnplattenspitze
 
Abstieg auf der überdeutlich markierten, aber nicht gesicherten Route durch die steilen Gipfelfelsen der Ahrnplattenspitze
 
Rückblick auf den Gipfelaufbau der Ahrnplattenspitze
 
Rückblick auf den Gipfelaufbau der Ahrnplattenspitze
 
Vom Sattel aus führt der Weiterweg über den Kamm auf einem Steig durch Latschengelände über einige unbedeutende Erhebungen (Weißlehnkopf, Ahrnkopf, Zwirchkopf) zum Gratende über dem Leutaschtal. Dort wendet sich der Weg nach links hinab, wo die Latschen nach einiger Zeit in Wald übergehen. Im Bereich einer kleinen Hütte sollte man gut auf die Markierungen achten, da unterhalb mehrere Pfade durch den Wald verlaufen. Schließlich trifft man ziemlich genau am Ausgangspunkt wieder auf den Hauptweg am Ausgang des Satteltals.
Vom Weißlehnkopf aus gesehen zeigt sich der Gipfel der Ahrnplattenspitze als markanter Felsturm
 
Vom Weißlehnkopf aus gesehen zeigt sich der Gipfel der Ahrnplattenspitze als markanter Felsturm
 
Blick beim Abstieg ins Leutaschtal auf den doppelgipfligen Öfelekopf
 
Blick beim Abstieg ins Leutaschtal auf den doppelgipfligen Öfelekopf
 




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